FeedGrabow (Wilh.)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Grabow (Wilh.), hervorragender liberaler preuß. Politiker, geb. 15. April 1802 zu Prenzlau, studierte seit 1821 in Berlin die Rechte, trat dann in den praktischen Justizdienst und wurde bald zum Justiz-und Stadtgerichtsrat ernannt. Im J. 1836 ward er Hofgerichtsrat und Universitätsrichter in Greifswald, 1838 zum Oberbürgermeister von areis gewählt und gewann bei den märkischen treis⸗ und Provinziallandtagen, denen er 1841 —47 als Abgeordneter angehörte, große Sicherheit und parlamentarische Erfahrung. Dem Vereinigten Landtage von 1847 ehörte G. als Mitglied der zweiten Kurie an. Bei dem zweiten Zusammentritt des Vereinigten Landtags im April 1848 hatte er an dem Gesetz über das allgemeine Wahlrecht vorzüglichen Anteil. Der Nationalversammlung gehörte G. wiederum für Prenzlau an. Er hielt sich hier mit den Altkonstitutionellen zum rechten Centrum und ward an Mildes Stelle nach dessen lübergang in das Ministerium erster Präsident des Hauses, legte aber im Oktober, als die Linke durch den Gang der Ereignisse in den Vordergrund gelangte, den Vorsitz und bald darauf auch sein Mandat nieder. Die oktroyierte Verfassung vom 5. Dez. 1848 nahm G. mit an und trat daher im Frühjahr 1849 in die Zweite Kammer, deren Präsidium ihm zuteil wurde. Als aber diese Kammer 27. April aufgelöst, ein neues Wahlgesetz unter Zugrundelegung des Dreiklassensystems oktroyiert und auf gleichem Wege die Kreis⸗ und Provinziallandtage wiederhergestellt wurden, protestierte er dagegen. Die Regierung verweigerte hierauf 1850 der Wahl G.s zum Oberbürgermeister von Magdeburg und später seiner Berufung als lebenslänglicher Oberbürgermeister von Prenzlau die Bestätigung und ließ nur seine erdem auf 12 Jahre bestehen. Im J. 1850 zum ersten Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses gewählt, behielt er diese Stellung, bis seine Thätigkeit für eine Verschmelzung der verschiedenen liberalen Fraktionen zu Anfang des J. 1862 durch seine mit größter Mehrheit vollzogene Wahl zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses anerkannt wurde. Auch bei dem Wiederzusammentritt des Landtags 19. Mai 1862 gelangte G. aufs neue zum Präasidium, und es vollzog sich zugleich die engste Verbindung der liberalen Elemente, indem sein früherer Parteigenosse Vincke mit wenigen Anhängern in den Hintergrund trat und die nunmehr Grabowsche Fraktion in der Fortschrittspartei aufging. Auch auf den am 14. Jan. und 9. Nov. 1863, sowie 14. Jan. 1865 zusammengetretenen Landtagen fungierte er als Präsident. Später er sich vom polit. Leben zurück und starb zu Prenzlau 15. April 1874.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 256Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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