Graham, schott. Familie, nennt als ihren Ahnherrn den caledon. Helden Graeme, der 404 das Heer Fergus' II. befehligte und während der Minderjährigkeit Eugens II. Statthalter von Schottland war. Er brach 420 mit seinen wilden Scharen durch die große Mauer, die der röm. Kaiser Severus zwischen den Flüssen Clyde und schott —— erbauen lassen, und die seitdem im schott. olke den Namen Graeme's dyke führt. Diese Genealogie ist allerdings etwas mythisch; so viel ist jedoch gewiß, daß die G. zu den ältesten Familien Schottlands gehören. Sie besaßen im 12. Jahrh. große Ländereien um Dumbarton und Stirling. Sir John G. oder Graeme, der treue Freund des berühmten Wallace, fiel 1298 in der Schlacht von Fallirk. Sir David G. von Montrose geriet mit dem König David Bruce 1346 bei Durham in Gefangenschaft. Dessen Sohn, Patrick G., hatte in zweiter Ehe Egidia Stuart, Nichte König Roberts II., zur Frau, die ihm vier Söhne gebar, von denen der älteste, Robert G., 7 von Strathern wurde und Großvater Sir Robert G.s, welcher letztere 1437 König Jakob I. ermordete, und Ahnherr der G.s von Esk und Netherby in Cumberland war. Ein Sohn Patricks aus erster Ehe, Sir William G., Schwiegersohn Roberts III., war Großvater von Patrick G., der, nachdem er während der Minderjährigkeit Jakobs II. Mitglied der Regentschaft gewesen, 1445 dese Baron G. erhoben wurde und 1465 starb, und essen Enkel William, Lord G., den Titel eines Grafen von Montrose erhielt. (S. Montrose.) Der dritte Sohn Sir William G.s, Robert, war Ureltervater des berühmten Feldherrn der Stuarts, John G. von Claverhouse, welcher 1643 gedoren wurde, sich unter Condé zum Krieger bildete und bald ebenso sehr durch militärisches Talent als durch unerschrockene Tapferkeit bemerklich machte. Er befehligte 1679 ein Reiterkorps gegen die Covenanter, erlitt zwar bei Laudon-Hill eine Niederlage, trug aber das meiste zum Siege von Bothwell-Bridge bei und verfolgte nachher den überwundenen Feind mit schonungsloser Grausamkeit. Jakob II. ernannte ihn zum Viscount Dundee. Nach der Flucht des Königs sammelte G. in den Hochlanden eine Armee, mit der er die Rechte der entthronten Königsfamilie geltend machen wollte, griff den weit stärkern General Mackay bei Killiecrankie an und fiel 17. Juli 1689. Vgl. Napier, „Memorials and letters illustrative of the life and times of G. (Edinb. 1859). Von dem fünften Sohne Sir William G.s, William, stammt das Geschlecht der G. von Balgowan. Thomas G., Lord Lynedoch, einer der ausgezeichnetsten engl. Generale neuerer Zeit, war der Sohn Thomas G.s auf Balgowan und einer Tochter des Grafen von Hopetoun und wurde 1750 geboren. Er lebte bis zu seinem 42. Jahre als einfacher Landedelmann; um den Kummer uber den Tod seiner Gattin zu zerstreuen, schloß er sich dem Korps des Generals O'Hara an und diente 1793 als Freiwilliger bei Toulon. Nach Schottland zurückgekehrt, warb er auf eigene Kosten ein Bataillon, dessen Kommando er mit Oberstenrang erhielt. In den J. 1796 und 1797 machte er die Wurmeer in Italien bei der österr. Armee unter Wurmser mit und kommandierte alsdann die Blockade von Malta, welches sich im Sept. 1800 nach einer zweijährigen Belagerung ergab. diente 1808 unter Sir John Moore in Spanien und ward 1810 Generallieutenant. Am 5. März 1811 bestand er gegen den Marschall Victor das Treffen von Barossa, wofür er den Dank des Parlaments erhielt. Bei Vittoria 1½½ er den linken Flügel. Im Jan. 1814 landete er mit 10000 Mann in Holland, lieferte in Verbindung mit dem preuß. General Thümen das glückliche Gefecht bei Merxhem und unternahm 8. März 1814 einen Sturm auf Bergen-op-Zoom, der aber zurückgeschlagen wurde. Im Mai 1814 ward er als Lord Lynedoch von Balgowan zum Peer erhoben und 1821 zum Der 1843, t befördert. Er starb zu London 18. Dez. 1843. Vgl. Graham, 4General G.'s memoiro (Lond. 1865). Die G.s von Esk und Netherby haben gleichfalls mehrere ausgezeichnete Männer hervorgebracht. Sir Richard G. auf Esk, geb. 1648, war Gesandter Karls II. in Frankreich, erhielt 1680 den Titel eines Viscount Preston und bekleidete unter Jakob II. das Amt eines Staatssekretärs. Nach der Revolution von 1688 ward er im Tower gefangen gehalten und 1691 des Hochverrats schuldig befunden, von Wilhelm III. aber begnadigt. Während seiner Haft übersetzte er Boäthius' De consolatione philosophiaes meisterhaft ins Englische. Er starb 1695. Die Peerage erlosch mit dem dritten Viscount 1739, die Güter des Hauses aber gingen nach dem Willen der Lady Widdrington, Tochter Richards, an die G. von Netherby über, die im Jan. 1783 den Baronettitel erhielten. Der älteste Sohn des ersten Baronets, Sir James Robert Georg G., bekannter Staatsmann und Parlamentsredner, wurde 1. Juni 1792 geboren, trat zuerst 1818 ins Parlament, übernahm 1830 im Ministerium Grey den Posten des ersten Lords der Admiralität und führte als solcher große Verbesserungen in der Verwaltung des Seewesens ein. G. gehörte damals zu den Stützen der Whigpartei. Der Entschluß eines Teils seiner Kollegen, auch mit der Staatskirche in Irland Reformen vorzunehmen, veranlaßte jedoch G. 1834 sich von ihnen zu trennen. Von nun an näherte er sich immer mehr den Konservativen, trat Sept. 1841 als Staatssekretär des Innern in das Ministerium Peel und half in dieser Eigenschaft das Handelssystem emzhren, das dem Schutzzoll ein Ende machte. Die Offnung der Drrsha Mazzinis (1844), durch welche die österr. Regierung Kunde von dem Unternehmen der Brüder Bandiera erheros rief einen Sturm des Unwillens gegen G. ervor, und die Auflösung des Ministeriums Peel im Juli 1846 führte auch den Rücktritt G.s herbei. Im Koalitionsministerium Aberdeen-Russell ward er im Dez. 1852 abermals an die Spitze der Admiralität gestellt, erlag aber im Febr. 1855 nebst seinen Kollegen dem von Roebuck beantragten Mißtrauensvotum. Er starb auf seinem Landsitze Netherby 25. Okt. 1861. Vgl. T. MCullagh Torrens, The life and times of the Right Hon. Sir Jamés G.5 (2 Bde., Lond. 1863), und Lonsdale, Life of Sir James G. (Lond. 1868).