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GeschichteBrockhaus 1882

Gordon, ein altes schott. Geschlecht, dessen Ursprung in Dunkel gehüllt ist. Wahrscheinlich kamen die G. mit Wilhelm dem Eroberer aus der Normandie nach England und ließen sich später in der schott. Grafschaft Berwick nieder. Die Hauptlinie starb schon mit Adam G., Ritter von Huntley, aus, der 1402 in der Schlacht von Homildon fiel. Seine einzige Tochter heiratete Alexander Seton, Urenkel des Christal Seton, eines Gefährten von Wallace und Bruce, nhrte Nachkommen den Namen der Mutter fortführten, und von denen die spätern Herzöge von G. abstammen. Die gegenwärtigen Grafen von Aberdeen haben ihren Ursprung nicht aus dieser weiblichen Linie, sondern führen ihn auf einen männlichen Seitenzweig zurück, dessen Stifter der 1445 in der Schlacht zu Arbroath gefallene Patrick G. war. Nächst den Douglas hatten früher die G. von Huntley durch ihre Verbindungen und Reichtümer in Schottland das größte Gewicht; sie waren eifrige Katholiken und Jakobiten und beteiligten sich daher sehr lebhaft an den Religionskriegen sowie an den dynastischen Kämpfen der Stuarts. George G., vierter Graf von Huntley, erhielt 1546 die Würde eines Kanzlers von Schott and und bot als solcher alles auf, um die Berbreitung der Kirchenreformation zu unterdrücken. Später faßte er den Entschluß, sich gewaltsam der Königin Maria zu bemächtigen und dieselbe mit seinem Sohne zu vermählen, weshalb er von Murray gefangen genommen und 28. Okt. 1562 erdrosselt wurde. — Ein Enkel desselben, George G., Marquis von Huntley, vereinigte sich 1594 mit vielen andern Großen zur Ausrottung des Protestantismus, schlug den gegen die Meuterer abgeschickten Grafen Argyle, wurde aber später bezwungen und verbannt. Nachdem er 1596 zurückgekehrt, veränderte er selbst seinen Glauben und starb 1635. Unter Karl I. verloren drei G. das Leben für die Sache der Stuarts. Sir George G. wurde 1644 zu Edinburgh enthauptet; gleiches Schicksal hatte George, zweiter Marquis von Huntley, 30. März 1649; dessen Sohn George, Viscount G., fiel 1645 zu Alford an der Spitze der königl. Reiterei. Während der Revolution von 1688 hielt George G., der 1684 zum 7..⁷7 von G. ernannt worden, das Schloß zu Edinburgh mit Katholiken zu Gunsten Jakobs II. besetzt und übergab die Feste erst, nachdem fernerer Widerstand unmöglich geworden war. — Patrick G., geb. 31. Mai 1635, trat um die Mitte des 17. Jahrh. in die Dienste des Zaren Alexei von Rußland, in dessen Armee er die europ. Taktik einführte. Als Vertrauter Peters I. beförderte er die Thronrevolution von 1689, leitete dann 1696 den Krieg gegen die Türken und starb 9. Dez. 1699. Das von ihm hinterlassene Tagebuch (2 Bde., Mosk. u. Petersb. 1849—50) ist für die russ. Geschichte von hoher Wichtigkeit. Lord George G., geb. 19. Dez. 1750, der Sohn des dritten Herzogs Cosmo George, ist bekannt als der Anstifter des großen 4..„ von 1780 in den Straßen von London. Früher Seeoffizier, machte er sich im Parlament durch den heftigsten Eifer gegen den Papismus bemerkbar und stiftete infolge der 1778 den Katholiken bewilligten Toleranzbill eine prot. Association. Eine von ihm dem Parlament 2. Juni 1780 überreichte Bittschrift um Aufhebung der Bill wurde verworfen, worauf der Pöbel in verschiedenen Stadtteilen die Zerstörung der Wohnungen und Kapellen der Katholiken begann. Am 6. zogen die Aufrührer nach Newgate, steckten die öffentlichen Gebäude in Brand und befreiten 300 Gefangene. Am folgenden Tage wurden die Gefängnisse von Kings-Bench und Fleet erbrochen und angesteckt, eine Menge Häuser eingeäschert, auch ein Angriff auf die Bank und das Zollamt gemacht. In der Nacht brannte London an 36 Punkten. Erst am 8. ließ nach unbegreiflichem Zaudern die Regierung den Aufstand durch 15000 Mann Truppen dämpfen. G. wurde verhaftet und vor Gericht des Hochverrats angeklagt, aber auf Erskines Verteidigung freigesprochen. Von dem Erzbischof von Canterbury 1786 wegen Schmähungen exkommuniziert, ging er nach Frankreich, wo er 1788 wegen eines Pamphlets gegen die Königin zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt ward. Er entfloh deshalb nach Holland und soll hier zum Mosaismus ubergetreten sein. Später ließ die Regierung ihn in Birmingham festnehmen und nach Newgate bringen, wo er 1. Dez. 1793 starb. Mit George, fünftem Herzoge von G., geb. 1. Febr. 1770, gest. als brit. General 28. Mai 1836, erlosch die männliche Linie der Herzöge von G.; doch wurde der Titel 1876 zu Gunsten des Herzogs von Richmond erneuert, der seitdem den Titel Rur von Richmond und G. führt. Der Titel eines Marquis von Huntley und Grafen von Enzie ging an den Grafen George von Aboyne (geb. 28. Juni 1761) über, der von Lord Charles G., einem jüngern Sohne des 1649 hingerichteten Marquis, abstammte und vor der Revolution von 1789 am franz. Hofe unter dem Namen Lord Strathaven bekannt war. Er starb zu London 17. Juni 1853 und hatte seinen Sohn, Charles G., zum Nachfolger, nach dessen Tode, 18. Sept. 1863, sein ältester Sohn, Charles G., geb. 5. März 1847, den Titel Marquis von Huntley erbte. Sir Robert G., ausgezeichneter Diplomat, Bruder des Grafen von Aberdeen, geb. 1791, studierte zu Orford und wurde 1810 als Attaché bei der Gesandtschaft in Persien angestellt. In der Wian war er Legationssekretär im Haag und in ien, 1826 Gesandter in Brasilien und 1828 Botschafter in Konstantinopel. Durch das Whigministerium abberufen, blieb er längere Zeit außer amm Wolst bis ihn Sir Robert Peel im Okt. 1841 zum Botschafter in Wien ernannte. Er wirkte hier im Sinne der Politik seines Bruders, nach dessen Rücktritt 1846 er durch Lord Ponsonby ersetzt wurde. Nach seiner Heimat zurückgekehrt, starb er zu Balmoral bei Aberdeen 8. Okt. 1847. Üüber die dem Geschlecht der G. entstammenden Herzöge von Aberdeen s. Aberdeen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 198Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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