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GeschichteBrockhaus 1882

Hamilton, berühmtes schott. Geschlecht, soll nach einer sehr zweifelhaften Sage von Gilbert abstammen, dessen Vater, William de H., unter Eduard I. Großkanzler von England war. Gilbert tötete den Günstling Eduards II., John Spencer, im Rodert: Be und flüchtete sich nach Schottland zu Robert Bruce, der ihn 1323 mit der Burg Cadzow, dem jetzigen Flecken Hamilton in der Grafschaft Lanark, belehnt haben soll. Doch gehörte ein Sir Walter de H. schon 1292 zu den lenet⸗ Edeln, welche Eduard I. den Eid der Treue eisteten, und wahrscheinlich ist es dieser gewesen, der von Robert Bruce die Herrschaft Cadzow erhielt. — Einer seiner Nachkommen, James H., * 1460, wurde, da er dem Hofe gegen die ouglas beigestanden, 1455 zum Lord H. und Peer von Schottland erhoben. — Noch mehr stieg das Ansehen des Hauses, als dessen Sohn und Erbe, James H., gest. 1479, die älteste Schwester Guasch III., Maria, heiratete und dadurch die rafschaft Arran an die Familie brachte. —James H., durch das Erbe seiner Mutter Graf von Arran (seit 1505), nahm während der Minorennität Jakobs V. Anteil an den öffentlichen Angelegenheiten, ward 1517 Mitglied der Regierung und starb 1529. — Dessen Sohn James, zweiter Graf von Arran, wurde 1549 von Heinrich II. von Frankreich auch mit dem Herzogt um Chätelherault in Poitou beschenkt. Das schott. Parlament hatte ihn nach dem Tode Jakobs V. (1542) zum präsumtiven Thronerben erklärt und ihm während der degentchart ubert der Königin aria Stuart die Re entscha t übertragen. Weil indes H. anfangs die eformation begünstigte und die engl. Partei unterstützte, machten ihm der Kardinal Beaton, die Königin-Mutter, Maria von Guise und der Graf Lennox die Staatsverwaltung streitig. Im J. 1554 legte H. die Regentseioß zu Gunsten der Königin-Mutter nieder. Er elbst und sein Bruder John H., der als Staatssekretär und Bischof von St.⸗Andrews eine wichtige Rolle spielte, hielten in den kirchlichen Kämpfen zur kath. Partei, während die andern Glieder des Hauses eifrige Protestanten waren. In den polit. Wirren, die mit der Rückkehr der Königin Maria Stuart begannen, standen die H. schon im Familieninteresse auf der Seite der Königin. Nachdem Maria entsetzt und Murray, ihr natürlicher Bruder, 1567 die Regentschaft an sich gerissen, bildeten die H. die Partei der Königsfreunde. Diese Partei bestimmte Maria zum Widerruf der Resignation und veranlaßte 15. Mai 1568 das Treffen beim Dorfe Langside, nach welchem Maria nach England flüchten mußte. Jetzt brachen auch die Verfolgungen über das Haus H. herein. Ein gewisser Jam es H., der im Treffen gefangen und seiner Güter beraubt worden war, tötete 1570 den Regenten Murray und entfloh nach Frankreich. Die H. erhielten hiermit einen Augenblick das übergewicht, bis Graf Lennox durch engl. Einfluß zur Regentschaft gelangte und den Erzbischof von St.⸗Andrews 1571 zu Stirling aufknüpfen ließ. Jetzt trat der träge Herzog von Chätelherault endlich selbst an die Spitze seiner Partei, erklärte sich mit vielen Großen für die in England gefangene Königin Maria, besetzte Edinburgh und eroberte Stirling, wobei der Regent Lennox getötet wurde. Als 1572 der Graf Morton, ein Verwandter der H., die Regentschaft übernahm, zog sich Chätelherault von der Kriegspartei zurück und starb 1575. Sein Sohn James H. strebte nach der Hand der Königin und der schott. Krone. Als eifrigen Protestanten verfolgten ihn jedoch die Guisen bis auf den Tod und nahmen ihm selbst das vom Vater ererbte Herzogtum Chätelherault. Infolge religiöser und physischer Ausschweifungen verfiel er lange vor seinem Tode in Wahnsinn. Nachdem Morton 1581 unter dem jungen König Jakob VI., dem nachmaligen König Jakob I. von Großbritannien, das Schafott bestiegen, wurde die Macht des Hauses H. durch Achtung und Konfiskation fast anz vernichtet. — John und Claude H., die Brüder des wahnsinnigen James, flohen nach England, kehrten aber nach dem Sturze ihres Hauptfeindes, James Stuart, zurück und wurden von dem König als die treuen Freunde seiner Mutter gut aufgenommen und zum Teil in ihre Güter wieder eingesetzt. John, gest. 1604, erhielt 1599 die Würde eines Marquis. Claude wurde der Stifter einer Seitenlinie der H., der noch jetzt blühenden Marquis von Abercorn. — Johns Sohn, James, Marquis von H., ward 1609 nach dem Tode seines wahnsinnigen Oheims auch Graf von Arran. Jakob J., bei dem er viel galt, ernannte ihn 1619 zum Grafen von Cambridge in England. Er starb 1625, angeblich an Gift, das ihm sein Nebenbuhler, der Herzog von Buckingham, beigebracht. — Sein ältester Sohn und Erbe, James H., führte im Dreißigjährigen Kriege dem Schwedenkönig ein bedeutendes engl. Hilfskorps zu und trug zu dem Sieg bei Breitenfeld bei. Er bewies sich als treuen Anhänger Karls I., wurde von demselben 1643 zum Herzog von H. erhoben und mußte 9. März 1649, lal der Hinrichtung seines königl. Gönners, ebenfalls das Schafott besteigen. — William H., der Bruder des Lerzogs, seit 1639 Graf von Lanark und Staatssekretär von Schottland, war bei Karl I. in Ungnade gefallen, weil er den Bürgerkrieg mißbilligte, und zog daher dem Parlament mit einem starken Armeekorps zu Hilfe. Bald trat er jedoch zur königl. Partei zurück und ward an die Spitze des Heers gestellt, mit welchem Karl II. seine väterliche Krone wiedererobern wollte. Er wurde aber in der Schlacht bei Worcester 3. Sept. 1651 von Cromwell gefangen genommen und starb einige Tage darauf an seinen Wunden. Die männlichen Glieder des Hauptstammes waren mit diesem zweiten Herzog von H. erloschen. Karl II. übertrug 1660 die Titel und Würden des Hauses auf William, Grafen von Selkirk, einen jüngern Sohn des Marquis von Douglas (s. d.), der Anna, die Tochter und Erbin des ersten Herzogs, zur Gemahlin hatte und den Namen H. annahm. Er starb 1691 und hinterließ eine zahlreiche Familie. — Sein ältester Sohn, James, vierter Herzog von H., wurde 1711 als Herzog von Brandon zum Peer von England erhoben. Er diente vielfach als Gesandter unter der Königin Anna, wirkte als eifriger Jakobit für das Interesse der vertriebenen Dynastie und verlor sein Leben in einem Zweikampfe mit Lord Mohun 15. Nov. 1712. — Charles, der dritte Sohn Williams, erhielt die Grafschaft Selkirk und vererbte den Titel auf seinen Bruder John, der hierdurch Stifter der Grafen von Selkirk wurde, welche sich jetzt wieder Douglas nennen. — George H., der fünfte Sohn, ein ausgezeichneter General, ward 1696 zum Grafen von Orkney ernannt. Von ihm stammen in weiblicher Linie die jetzigen Grafen von Orkney, Sohn, starb 1757 als Admiral; sein Sohn war der durch seine antiquarischen Forschungen bekannte Sir William Hamilton (s. d.). — James, sechster Herzog von H., gest. 1758, war mit der schönen Elisabeth Gunning, nachherigen Herzogin von Aryle, vermählt. — Sein Sohn, James George, srehenter Herzog von H., erbte 1761 nach dem Tode des Herzogs von Douglas die Würden eines Marquis von Douglas und Grafen von Angus. Sowohl er als sein Bruder Douglas H. (gest. 1799) starben ohne männliche Nachkommenschaft, worauf Titel und Güter an ihren Oheim, Archibald (geb. 1740, gest. 1819), neunten Herzog von H. und sechsten Herzog von Brandon, übergingen. — Dessen Sohn, Alexander H.⸗Douglas, geb. 3. Okt. 1767, bis zum Tode seines Vaters als Marquis von Douglas und Clydesdale bekannt, trat 1802 als Parlamentsmitglied für Ashton ins Unterhaus, wo er mit den Whigs stimmte, die ihn nach ihrem Eintritt ins Ministerium 1806 zum Gesandten in Rußland ernannten. Der Friede von Tilsit rief ihn nach England zurück und er erschien seitdem nicht mehr auf dem polit. Schauplatz, obschon ihm noch bei Lebzeiten seines Vaters ein Sitz im Oberhause zuteil wurde. Diesem folgte er 16. Febr. 1819 in der Herzogswürde. Er starb zu London 18. Aug. 1852. Er hinterließ einen Sohn, William Alexander Anthony Archibald, elften Herzog von H. und achten Herzog von Brandon, geb. 19. Febr. 1811, vermählt 23. Febr. 1843 mit Prinzessin Marie Amalie Elisabeth Karoline von Baden. Derselbe starb 15. Juli 1863 in Paris und hatte seinen ältesten Sohn, William Alexander Louis StephenH. Douglas, geb. 12. März 1845, zum Nachfolger. — Das Haupt der männlichen Linie des Hauses H., James, Marquis von Abercorn, geb. 21. Jan. 1811, ist Lordlieutenant von Donegal, Mitglied des Geheimen Rats und Ritter des Hosenbandordens. „Hamilton (Alexander), Mitbegründer der Vereinigten Staaten von Amerika und einer ihrer größten Staatsmänner, geb. 11. Jan. 1757 auf der westind. Insel Nevis in armen Verhältnissen, kam im Alter von 14 J. in das Haus des rei en Kaufmanns Crüger zu Neuyork und erhielt daselbst in dem Columbia-College eine wissenschaftliche Bildung. Als die Zerwürfnisse der Kolonien mit dem Mutterlande begannen, verteidigte er die Rechte der erstern in Reden und mehrern Schriften. Beim Ausbruch des Kampfs trat er als Artilleriehauptmann in das nordamerik. Heer, erwarb sich das Vertrauen Washingtons, wurde 1777 dessen Adjutant und gewann als dessen Freund und Ratgeber den größten Einfluß. Er war Oberst, als 1783 der Friede geschlossen wurde. Mit Eifer widmete er sich nun der Rechtswissenschaft und war bald einer der bedeutendsten Sachwalter in Neuyork. Nr J. 1786 wurde er Mitglied des Gesetzgebenden örpers des Staates Neuyork und im folgenden Jahre nahm er als Abgeordneter seines Staats an der Versammlung zu Philadelphia teil, welche die neue Konstitution zu beraten hatte. Mit Madison hatte er wesentlichsten Anteil an der Entwerfung der Unionsverfassung und war der eigentliche Gründer der Pattei, die man damals die der Föderalisten nannte. Mit Jay und Madison veröffentlichte H. eine Reihe von Aufsätzen, welche die Annahme des Entwurfs des Staatsgrundgesetzes vorbereiten sollten und unter dem Titel The Federaliste gesammelt wurden. Bei Begründung der neuen Regierung wurde er 1789 zum Sekretär des Schatzes ernannt. H. bewirkte zuvörderst zur Hebung des Kredits die Fundierung der innern Schuld, gründete die Vereinigte Staaten-Bank, ordnete das Steuerwesen, führte unter dem größten Widerstande die Besteuerung des Branntweins ein und wurde überhaupt der Schöpfer der nordamerik. Finanzen. Von den Demokraten heftig verfolgt, legte er 1795 sein Amt nieder und wandte sich nun wieder seinem Berufe als Sachwalter zu. Als 1798 der Krieg mit Frankreich drohte, wurde er nach dem Willen Washingtons zum zweiten Befehlshaber des Heers ernannt, und nach dessen Tode (1799) mußte er auf kurze Zeit, bis zum Friedensschlusse, den Oberbefehl übernehmen. Fortan seinen Berufsgeschäften wieder zugewandt, geriet er 1804 mit Oberst Burr polit. Ansichten halber in Streit. Es kam zwischen beiden zu einem Zweikampf, wobei H. eine Wunde erhielt, an der er 12. Juli 1804 in Neuyork starb. Vgl. seines Sohnes John C. Hamilton „History of the republic of the United States, as traced in the writings of Alexander H. and his contemporarieso (7 Bde., Neuyork 1855 - 60); Lodge, «Alexander H.» (Boston 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 755Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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