Granvella (Antoine Perrenot, Herr von), langjähriger Minister Karls V. und Philipps II., geb. 20. Aug. 1517, verdankte seine Laufbahn zunächst seinem Vater, der, aus einer burgundischen Bürgerfamilie (Perrenot) stammend, im Dienste Karls V. emporgekommen und als Herr von G. seit 1530 bis an seinen Tod (28. Aug. 1550) der einflußreichste Minister des Kaisers gewesen war. G., der nach theol. Studien in Paris, Padua und Lüttich mit 23 Jahren Bischof von Arras wurde, war auf den Reichstagen der vierziger Jahre bereits die rechte Hand seines Vaters. Auch trat er schon in selbständigen Missionen hervor, so als Gesandter in Trient und besonders während des Schmallaldischen Kriegs. Ihm waren die Verhandlungen mit dem Kurfürsten von Sachsen und dem Landgrafen von Hessen nach der Schlacht bei Mühlberg (Mai — Juni 1547) Übertragen, und seiner Geschicklichkeit verdankte Karl die Ergebung des Landgrafen. Nach dem Tode seines Vaters trat G. ganz in dessen Stellung ein. Er teilte die Katastrophe des Kaisers in Innsbruck (1552) und vermittelte nach tuerb. Niederlagen wieder den Aufschwung der kaiserl. Politik in der Verbindung mit der kath. Maria von England. Die Abdankung Karls V. ward für ihn nur der Wechsel des Gebieters. Unter der Regentschaft Margaretas von Parma stieg G. in den Niederlanden zu neuen Würden: 1560 ward er Erzbischof von Mecheln, 1561 Kardinal. Aber aller Haß, der sich jetzt gegen die Spanier in diesen Provinzen ans ammelte, richtete sich zunächst gegen den Kardinal, der die universalen Tendenzen der absoluten Monarchie unter Nichtachtung der nationalen Bewegung nährte. G. ward das erste Opfer der Empörung; Margarete verleugnete ihn, und er zog sich im Frühjahr 1564 in seinen Palast zu Besangon zurück. Im J. 1565 nahm er an dem Conclave teil, das Pius V. zum Papst wählte, u Jahre darauf brachte er unter demselben die Liga gegen die Türken zu Stande. Hierauf verwaltete er als Vizekönig Neapel und kam schließlich nach dem Sturz des Antonio Perez als führender Minister in die nächste Umgebung Philipps II., der ihn bis 1584 in dieser Stellung erhielt. Wesentlich auf G. ist die Interventionspolitik Philipps in Frankreich zu Gunsten der Guisen und der Ligue zurückzuführen, ebenso auch der Krieg gegen Portugal (1580). Im J. 1584 wurde G. zum Erzbischof von Besancon erhoben. Er starb in Madrid 21. Sept. 1586. G. war ein Mann voll Geist und Fähigkeiten, unermüdlich in den Geschäften, entschlossen und mutvoll, voll Ehrgeiz, doch unwandelbar in der Ergebenheit gegen seine Herrscher; dabei im Vollbesitz der Bildung seiner Zeit, wie schon sein Vater, dessen reiche Gemäldesammlung er eifrigst vermehrte. Zeugnisse seiner Arbeitskraft sind die Aktenschätze, welche in Besangon von ihm aufbewahrt werden und aus denen die Sammlung von Weiß, Papiers d'état du Cardinal G.5 (9 Bde., Par. 1841—61), nur ein kleiner Auszug ist.