Gratianus, röm. Kaiser, geboren als der älteste Sohn des röm. Aurih 40d spätern Kaisers) Valentinian (I.) 18. April (oder 20. Mai) 359 n. Chr. zu Sirmium, erhielt seine Erziehung von dem Dichter Ausonius. Von seinem 364 mit dem Purpur geschmückten Vater am 24. Aug. 367 zu Amiens zum Augustus ernannt, mußte G. die Regierung selbst antreten, als sein Vater 17. Nov. 375 plötzlich in Pannonien starb. Unmittelbar beherrschte er nur die westl. Provinzen Britannien, Gallien und Spanien; sein kleiner Stiefbruder Valentinian II. (über den G. aber eine Art von Suprematie ausübte) erhielt die illyr. und die italischen Länder. Persönlich ein frommer Christ, gab G. sofort die kluge, tolerante Kirchenpolitik auf, die sein Vater befolgt hatte. Die Auffassung der Homousianer wurde für katholisch erklärt, zunächst den Arianern und Donatisten der Krieg erklärt, die Arianer namentlich in Italien aller Kirchen beraubt. Der Ausbruch des schweren Kriegs zwischen den Oströmern und den durch die Hunnen nach der Donauhalbinsel gedrängten Westgoten veranlaßte G., seit 377 seinem Oheim Valens, den Kaiser des Ostens, namhafte Hilfstruppen zu schicken. Die Katastrophe bei Adrianopel vermochte G. jedoch nicht zu verhindern. Schon mit seiner Hauptmacht auf dem Mar06 nach Thrazien begriffen, wurde er durch den usbruch eines Kriegs mit den Alamannen aufgehalten. Allerdings gewann G. im Mai 378 die große Schlacht bei Argentaria (jetzt Horburg an der Ill) und drang tief in den Schwarzwald ein. Eifersüchtig auf diesen Sieg wagte aber Valens vor der Ankunft des Neffen den Kampf bei Adrianopel (9. Aug. 378) mit den Goten, in welchem er eine furchtbare Niederlage erlitt und selbst den Tod fand. Nunmehr alleiniger Herr des Reichs, ernannte G. den Theodosius zum Kaiser des Ostens (19. Jan. 379) und unterstützte denselben zweckmäßig bei der Zurückdrängung der Goten. Im N. 382 legte G. die Stellung als röm. Pontifer Maximus nieder, welche die christl. Kaiser seit Konstantin d. Gr. noch immer beibehalten hatten. Bei den Arianern wie bei den Heiden gleich unpopulär, wurde er endlich auch bei den Orthodoxen mit Mißbehagen angesehen, weil er die neue ascetische Sekte der Priscillianisten nicht verfolgte. Da auch die Armee verstimmt war, weil G. als eifriger Jäger die neu in seine Dienste getretenen Alanen übermäßig bevorzugte, so gelang es einem span. Offizier, Clemens Magnus Maximus, im Sommer 383 zuerst die Legionen in Britannien zum Abfall zu bestimmen und nun als Usurpator aufzutreten. Dann ging er nach Gallien Sei Wal gewann Heer und Volk bis zur Seine. ei Paris gingen G. letzte Truppen zu Maximus über. Der Kaiser flüchtete nach Lyon, wurde hier aber 25. Aug. 383 in dem kaiserl. Schlosse durch den ihm nachjagenden Reitergeneral Andragathus bei Tische niedergehauen.