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GeschichteBrockhaus 1882

Martinuzzi, ungar. Staatsmann, mit seinem Familiennamen eigentlich Georg Utyeßenich, geb. 1484 (oder 1482) zu Kamizag (Kroatien), kam 1504 an den Hof der Herzogin Hedwig (Szäpolya), trat dann in den Paulinerorden und schloß nach der Schlacht bei Mohacs (1526) sich dem Gegenkönig Johann Szäpolya Uan. Er wurde bald dessen verrtrautester Ratgeber, Schatzmeister, Bischof von rGroßwardein und nach König Johanns (Szäpolya) Tode (1540) Mitvormund des Erbprinzen und Re⸗ „gent des Reichs (Ostungarn und Siebenbürgen). „Nach der türk. Occupation von Ofen (1541) war „M. bemüht, mit König Ferdinand von Ungarn „eine Verständigung herbeizuführen, um ganz Unegarn und Siebenbürgen in dessen Hand zu ver⸗ „einigen. Er fiel jedoch als ein Opfer der Ränkersucht seiner Gegner 17. Dez. 1551 zu Alvinez in dSiebenbürgen, nachdem er wenige Zeit vorher den „Kardinalshut erhalten hatte. Martius (Karl Friedr. Philipp von), einer der ausgezeichnetsten deutschen Naturforscher und Reisenden, geb. 17. April 1794 zu Erlangen, wo sein „Vater Ernst Wilhelm M. (geb. 10. Sept. 1756 zu Weißenstadt im bayreuther Oberland, gest. 12. Dez. 1819), als Botaniker und Pharmaceut auch wissenschaftlich bekannt, damals Hofapotheker war. Der Sohn besuchte Gymnasium und Universität seiner Vaterstadt und nahm dann teil an der 1817—20 von der österr. und bayr. Regierung veranstalteten Reise nach Brasilien, die zu den ergebnisreichsten des 19. Jahrh. gehört. Er berichtete über dieselbe in der Meise nach Brasilien» (3 Bde., Münch. 1824—31), einem sehr reichhaltigen und anziehend geschriebenen Werke. Die rein botan. Ausbeute seiner Reisen verarbeitete er in Nova genera et species plantarumo (3 Bde., Münch. 1824—32, mit 300 kolorierten Tafeln), Icones plantarum cryptogamicarum (Münch. 1828 -34, mit 76 kolorierten Tafeln), MHistoria naturalis palmarum (3 Bde., Münch. 1823—45, mit 219 kolorierten Tafeln) und «Flora Brasiliensiso (Heft 1—22, Lpz. 1840—77, nach seinem Tode fortgesetzt von A. W. Eichler). Schon vor seiner Reise hatte er Plantarum horti Erlangensis enumeration (Erlangen 1814) und Elora cryptogamica Erlangen-Sisv (Erlangen 1817) veröffentlicht. Die ethnogr. Resultate seiner brasil. Reise veröffentlichte er in den Beiträgen zur Ethnographie und Sprachenkunde Amerikasy (2 Tle., Lpz. 1867). Zu seinen zahlreichen Schriften gehören ferner: «Conspectus regni vegetabilis secundum characteres morphologicoso (Nürnb. 1835), «Systema materiae medicae vegetabilis Brasiliensiso (Lpz. 1843) und „Amoenitates botanicae Monacenseso (Frankf. 1829—41) u. s. w. Seit 1842 war M. Sekretär der mathem.⸗physik. Klasse der Akademie der Wissenschaften in München, entfaltete auch als akademischer Lehrer und Direktor des botan. Gartens in München eine erfolgreiche Thätigkeit, bis er sich 1864 in Ruhestand versetzen ließ. Er starb zu München 13. Dez. 1868. Vgl. Schramm, „M. Sein Lebens⸗ und Charakterbild (2 Bde., Lpz. 1869); Meißner, Denkschrift auf M.v (Münch. 1869). Sein Bruder, Theodor Wilhelm Christian M., geb. 1. Juli 1796, gest. 15. Sept. 1863, übernahm 1824 von seinem Vater die Apotheke zu Erlangen und erhielt hier 1848 eine außerord. Professur der Pharmacie und Pharmakognosie. Er hat sich durch einen Grundriß der Pharmakognosie des Pflanzenreichsd (Erlangen 1832), sowie durch das „Lehrbuch der pharmaceutischen Zoologiev (Stuttg. 1838) und andere Schriften bekannt gemacht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 495Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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