Gretna-Green, ein Dorf in der schott. Grafschaft Dumfries, früher wegen seiner nahen Lage an der engl. Grenze ein Zufluchtsort derer, die ohne Zustimmung ihrer Eltern oder Vormünder eine Ehe eingehen wollten. In Schottland nämlich gilt noch das alte kanonische Recht, nach welchem jede Eheerklärung zweier Personen vor einem Priester, Friedensrichter, Notar oder andern unverwerflichen Zeugen als eine vollzogene Ehe angesehen wird. Als dieses Gesetz unter der Regierung Georgs II. für England aufgehoben wurde, wendeten sich seit 1768 die, welche ohne Einwilligung ihrer Familie eine gewissermaßen vom Gesetz ge- Und Verbindung schließen wollten, nach Schottand, besonders nach G. Zufällig war längere Zeit der Friedensrichter des Ortes, vor dem die meisten Ehe⸗-Erklärungen abgelegt wurden, ein Tabakshändler, Namens Paisley (und nicht ein Schmied, wie gewöhnlich angenommen wird), wesalb die Meinung entstand, als habe derselbe ein esonderes Privilegium, dergleichen Ehen zu schließen. Wohl ebenso oft wurde aber das Chegelöbnis auch vor dem Pfarrer abgelegt, der gewöhnlich vor Zeugen im Gasthofe — das Kirchengebet verlas. Dieser Pfarrer 1 avid Laing, nach dessen Tode ihm sein Sohn im Amt folgte. Bis 1833 fanden jährlich etwa 300 solcher Heiraten statt; seitdem nahmen sie infolge eines Gesetzes, welches alle heimlichen Trauungen mit Strafe belegte, ab, betrugen aber noch immer gegen 100 jährlich, bis 56 f durch eine Parlamentsakte vom 29. Juli 1856 alle in dieser Weise geschlossenen Ehen vom 1. Jan. 1857 an für ungültig erklärt wurden. Auf den Registern von G. trifft man viele glänzende und berühmte Namen, wie den Grafen von Westmoreland, Lord Ellenborough, Sheridan, den Lordkanzler Erskine u. s. w. In neuerer Zeit ließ sich unter andern 7. Mai 1837 der Prinz von Capua, Bruder Ferdinands II. von Reapel, mit einer Irländerin, Miß Penelope Smith, trauen.