FeedGrimm (Aug. Theod. von)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Grimm (Aug. Theod. von), geistvoller Schriftsteller, geb. 25. Dez. 1805 zu Stadt-Ilm im Schwarzburgischen, besuchte das Gymnasium zu Arnstadt und bezog 1823 die Universität Jena, wo er sich anfangs der Medizin widmete, bald aber der Philosophie und Geschichte zuwandte. Nachdem er seine Studien zu Halle und Berlin vollendet, begab er sich 1827 nach Petersburg, erhielt hier 1829 eine Stellung als Inspektor an der Muraltschen Erziehungsanstalt in Petersburg, begleitete 1832 die Gräfin Wielhorsky auf einer Reise nach Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz und blieb sodann in Rom zurück, um sich in das Studium des klassischen Altertums zu vertiefen. Im J. 1833 wandte er sich nach Petersburg zurück und begleitete sodann 1834 den Sohn des Reichskanzlers Grafen Nesselrode auf einer Reise an die größern Höfe Deutschlands, nach London, Paris, Madrid und Lissabon. Hierauf leitete er seit 1835 als Studiendirektor den Unterricht des Großfürsten Konstantin, sowie seit 1838 auch den der frühverstorbenen Großfürstin Alexandrine und ihrer beiden Schwestern. Ausgedehnte Reisen mit dem Großfürsten nahmen die Jahre 1845 bis 1847 in Anspruch. G. besuchte das ganze europ. Rußland und die kaukas. Länder, hielt sich längere Zeit in Konstantinopel auf, bereiste dann Syrien und nach einem längern Aufenthalt in Griechenland das Gebiet von Algier. Mit der Vermählung des Großfürsten Konstantin 1847 hörten G.s Funktionen als Studiendirektor auf. Der Kaiser ernannte ihn zum Staatsrat mit dem Prädikat Excellenz und verlieh ihm das Komturkreuz des Wladimirordens, womit die Erhebung in den erblichen Adelstand des Reichs verknüpft war. Gleichzeitig übernahm G. die Erziehung der beiden jüngern Großfürsten Michael und Nikolaus. Ende 1852 zog er sich nach Dresden zurück, wo er unter anderm „Wanderungen nach Südosteno (3 Bde., Berl. 1855 —56) veröffentlichte, ging aber 1858 wieder nach Petersburg und übernahm hier die Erziehung der Kinder des Kaisers Alexander II. Da er diese in europ. Geiste leitete, geriet er mit der nationalruss. Hofpartei in Mißhelligkeiten, welche sich noch steigerten, als er 1858 den Roman «Die Fürstin der siebenten Wersto (deutsch, 2 Bde., Lpz. 1858; 2. Aufl. 1861) veröffentlichte, in dem die russ. Zustände, insbesondere der petersburger Adel, eine scharfe Beleuchtung erfuhren. Nach dem Tode der Kaiserin-Mutter (Nov. 1860) nahm er als Erzieher seine Entlassung und wandte sich nach Berlin, wo er seine litterarische Thätigkeit wieder aufnahm. Hier verfaßte er eine Biographie der Kaiserin-Mutter unter dem Titel Alexandra Feodorownap (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1866). Später siedelte er nach Wiesbaden über, wo er 28. Okt. 1878 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 422Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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