FeedGrote (George)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Grote (George), berühmter engl. Historiker, stammte aus einer deutschen Familie und wurde 17. Nov. 1794 zu Clayhill bei Beckenham in Kent geboren. Sein Großvater Banterh. in Verbindung mit George Prescott das Bankierhaus in London, welches noch unter dieser Firma besteht. Der junge G. wurde in der Charterhouse-Schule erzogen und trat in seinem 16. Jahre in das Comptoir seines Vaters ein. In seinen Mußestunden mit litterarischen und polit. Studien beschäftigt, veröffentlichte er 1821 eine anonyme Flugschrift, die gegen Sir James Mackintoshs ESSay on parliamentary reformo gerichtet war. In der Folge schrieb er ein kleines Werk «On thé essentials of parliamentary retormy, nahm als einer der Stimmführer der radikalen Partei eifrigen Anteil an der polit. Bewegung von 1830 bis 1831 und wurde im Dez. 1832 von der Stadt London ins Parlament gewählt. Hier stellte er sich besonders die Einführung des Ballotts zur Aufgabe, die er von Jahr zu Jahr, obschon vereblich, beantragte und mit den schärfsten logischen eweisgründen motivierte. Im J. 1841 legte er sein Mandat nieder, um sich ganz der Ausarbeitung seiner Mistory of Greece (12 Bde., Lond. 1846—55; 4. Aufl., 10 Bde., 1872; deutsch von Meißner und Höpfner, 6 Bde., Lpz. 1850—57) zu widmen, die er bereits 1823 begonnen hatte. Dieses Werk verbindet gründliche Gelehrsamkeit mit praktischem Blick und freisinnigem Urteil und läßt in dieser Beziehung die ältern Arbeiten von Gillies und Mitford weit hinter sich. Hierauf wendete G. sich vorzugsweise dem Studium der griech. Philosophie zu, dessen Früchte er zunächst in (Plato and the other companions of Socratesd (3 Bde., Lond. 1864) niederlegte, eine Leistung, welche zu seinem Hauptwerk eine wertvolle Ergänzung bildet. Im J. 1869 besorgte er gemeinsam mit John Stuart Mill eine neue Ausgabe von James Mills Analysis of the phenomena of the human mindo. Große Verdienste erwarb er sich außerdem als freisinniger Beförderer einer von religiösen Rücksichten unabhängigen höhern Erziehung und Bildung, wozu seine Wahl zum Vizekanzler der londoner Universität und zum Präsidenten des University College in London ihm die wirksamste Veranlassung bot. Das von Gladstone ihm gemachte Anerbieten der Erhebung zur Peerswürde lehnte er ab. Er starb in London 18. Juni 1871 und wurde in der Westminsterabtei begraben. Nach seinem Tode erschienen, von A. Bain und G. C. Robertson herausgegeben, seine hinterlassenen Werke Aristotler (2 Bde., Lond. 1872), Ihe minor works of G. With critical remarks on his intellectual charactero (Lond. 1873) und Fragments on ethical subjectso (Lond. 1876). Sein Leben beschrieb seine Frau, Harriet G., in The personal life of George G.v (Lond. 1873; deutsch, Lpz. 1874). Letztere war geb. 1. Juli 1792 in Southampton und seit 1820 mit G. verheiratet. Außer dem genannten Werke veröffentlichte sie noch „A memoir of the life of Ary Scheffero (Lond. 1861) und «Collected papers in prose and verse, containing a number of Essays, Reviews and Poemso (Lond. 1862). Sie starb in Shiere bei Guildford 27. Dez. 1878.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 542Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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