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Bildende KunstBrockhaus 1882

Gruppe wird in der bildenden Kunst die Zusammenstellung mehrerer Figuren zu einem größern, in sich zusammenhängenden Ganzen genannt. Die Art dieses Zusammenstellens nennt man Gruppieren, und es ist klar, daß Deutlichkeit und übersichtlichkeit das Grundgesetz aller künstlerischen Gruppierung sein müssen. Aus dem Mangel perspektivischer Kenntnisse ist die Erscheinung zu erklären, daß in der ältern Malerei meist eine pyramidale Anordnung der zusammengestellten Einzelfiguren auftritt. Im engern Sinne wird die Bezeichnung als G. meist der Zusammenstellung plastischer Figuren vorbehalten. Die G. der Plastik ist zunächst aus dem architektonischen Bedürfnis hervorgegangen, das Giebeldreieck mit erläuterndem und schmückendem Bildwerk zu füllen; sodann sind auch solche cyklische Kompositionen in der freien, von der Architektur losgelösten Plastik entstanden. Die älteste Kunst liebte der 1 hrer. Deutlichkeit und übersichtlichkeit halber in ihrer plastischen Gruppenbildung meist steif-symmetrische Anordnung; erst die ausgebildetere Kunst wagte zu freierer Lebendigkeit und Ungezwungenheit fortzuschreiten. Die Verschiedenheit in der Anordnung der Agineten (s. Aginetische Kunst) und der Anordnung der Parthenon⸗ und Niobegruppe ist die Verschiedenheit der altertümlich gebundenen und der frei vollendeten Kunst. Immer aber muß sich die plastische Kunst bewußt Rreihen, daß auch sie noch durchaus innerhalb der Stilgesetze der Plastik steht, d. h. jede Einzelfigur muß trotz ihrer Einreihung in ein größeres Ganzes fest und selbständig in sich selbst ruhen, auch als Einzelfigur ein in sich klares und abgeschlossenes Werk sein. Gibt die plastische G. diese Selbständigkeit der Einzelfigur auf, so tritt sie aus dem Gebiete der Plastik heraus und verirrt sich in das Malerische; ein Fehler, dem die griech.⸗röm. Plastik niemals, aber oft die des Mittelalters und der Renaissance verfällt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 576Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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