FeedGruyere (La)
ErdkundeBrockhaus 1882

Gruyere (La), auch Greyerzerland, eine Landschaft im schweiz. Kanton Zreiburg stößt im „und S. an Bern und Waadt, im W. und N. an die freiburg. Bezirke Veveyse, Glane, Saane und Sense und umfaßt die obere Stufe des freiburgischen Saanethals. Die G. ist ein anmutiges Voralpenland, reich an Alpweiden und Nadelwäldern, aussichtsreichen Bergen und schönen Wasserfällen. Von S. nach N. geneigt, wird sie links von der Kalkkette der Rochers de Naye (2044 m) und des Moleéson (2005 m) umschlossen, an welches sich nördlich der lange Molasserücken des Mont-Gibloux (1205 m) anreiht; rechts erheben sich die Kalkgebirge des Vanil noir (2386 m) und der Dent de Brenlayre (2356 m) und, durch das Jaunthal von ihnen geschieden, der sanft geschwungene Flyschrücken der Berra (1724 m). Die Berge sind meist bis zu den Kämmen bewachsen, und nur die obersten Gipfel ragen als felsige Hörner, Köpfe und Gräte schroff und kahl aus dem reichen Grün der Alpweiden hervor. Gegen Norden flacht sich das Voralpenland allmählich zur hügeligen Hochebene ab. Der Hauptfluß ist die Saane, welche in der G. rechts die Jougne, links den Hongrin aufnimmt. m Mittelalter bildete die G. mit dem bernischen Saanenlande und dem waadtländ. Pays d'Enhaut die Grafschaft gleichen Namens, deren Grafen vom 11. bis in das 16. Jahrh. auf der Burg Gruyere residierten. Der letzte dieses glänzenden, mächtigen Geschlechts starb 1575, nachdem er schon 1555 alle seine Besitzungen an Bern und f% verkauft hatte. Bern nahm für sein eil das obere Saanenland bis zur Schlucht Pas de la Tine, durch welche die Saane aus dem Pays dEnhaut heraustritt, Freiburg die untere Grafchaft, die eigentliche G., die jetzt einen besondern ezirk von 497 qkm Areal mit (1880) 20443 E. bildet. Die Bevölkerung, ein schöner, kräftiger Menschenschlag, ist meist kath. Konfession (502 Protestanten, 18 Israeliten und Andersgläubige) und franz. Zunge (1519 Deutsche) mit einem Idiom, das stark an das Romanische erinnert. Die Haupterwerbsquellen sind in den obern Teilen die Alpenwirtschaft, welche den berühmten Gruyere⸗ oder Greyerzerkäse zur Ausfuhr bringt, in den untern der Ackerbau und die Strohflechterei. Auch der olzhandel ist nicht unwichtig, und in den letzten ahren sind mehrere der anmutig gelegenen, freundichen Bergdörfer der G. als Luftkurorte und Sommerfrischen in Aufnahme gekommen. Die ½ Wohnplätze sind außer der Hauptstadt Bulle (s. d.) das altertümliche Städtchen Gruyères (1075 E.), das mit dem alten Grafenschloß 830 m über dem Meere, 4½ km südöstlich von Bulle auf einem steilen Felsen liegt, und Charmey, ein beliebter Luftkurort, 901 m über dem Meere, im Jaunthal. Mit Freiburg und dem obern Saanethal ist die G. durch die Postroute Freiburg-Bulle-Saanen verbunden, an welche sich bei Bulle die schmalspurige Bahn Bulle-Romont und die Poststraße über den Bruchberg (1506 m) in das bernische Simmenthal anschließen. Von den übrigen Pässen ist der begangenste der Col de Jaman (1516 m), der aus der G. nach Montreux am Genfersee führt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 579Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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