Botokuden (von dem portug. Worte: botoque, Faßspundy, da sie ein diesem ähnliches Stück Holz durch die durchbohrte Unterlippe zu stecken pflegen) oder Aymores ist der Name eines zur Gruppe der Krens gehörigen ganz rohen Volks in Brasilien, welches zuerst der Prinz von Neuwied genauer kennen lernte. Sie sind von dem Hauptvolke Brasiliens, den Tupi-Guaranis, sprachlich vollkommen verschieden; sie leben in den Urwäldern zwischen der Küstenkette (Serra do Mar) oder Serra dos Aimores und der Serra do Espinhago von 17—21˙ füdl. Br. am obern Rio Jequitinhonha, Mucury und Doce, gehen nackt und pflegen ihre Ohren und Unterlippen zu durchlöchern. Geschickt verstehen sie mit Bogen und Pfeil umzugehen. Ihre Bedürfnisse sind sehr gering; alle Anstrengungen, selbst Hunger und Dursertragen sie mit Ausdauer. Erlegtes Wild ist ihre ewöhnliche Speise, daneben Mais, Bohnen und ürbisse, die von ihnen angebaut werden; früher sollen be auch Anthropophagen gewesen sein. Nur egen den Feind haben sie Anführer. Sie sind treulos, aber kühn, und wurden deshalb mehrmals den Brasiliern sehr gefährlich; die Berichte über ihre Grausamkeit und Wildheit 10 aber vielfach übertrieben, zum Teil um die abscheuliche Art zu rechtfertigen, mit welcher der Vernichtungskrieg gegen 5 oft geführt wurde. Nur ein geringer Teil der ist bisjetzt einigermaßen civilisiert, selbst nachdem der Kaiser von Brasilien zu diesem Zwecke 1824 drei Dörfer angelegt hat. Ubrigens sollen sie nur noch etwa 4000 Köpfe zählen und im Aussterben begriffen sein. Vgl. Max Prinz zu Wied-Neuwied, Reise nach Brasilien in den J. 1815 — 17 (2 Bde., Frankf. a. M. 1820—21). (S. Tafel: Amerikanische Menschenstämme, Fig. 2.)