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ErdkundeBrockhaus 1882

Guastald, bei den Longobarden ein Verwalter herrschaftlicher Güter, auch Aufseher über Städte und größere Landesdistrikte Landeshauptmann); Guastaldia, das Amt des G. Gnastalla, ehemals Hauptstadt des gleichnami⸗ * Herzogtums, jetzt eines Distrikts der Provinz Reggio nell' Emilia im Königreich Italien, 1848 59 zum Herzogtum Modena gehörig, am Einfluß des Crostolo in den Po, 38 Kmim NO. von Parma, in einer sumpfigen, aber fruchtbaren, von vielen Kanälen durchschnittenen Ebene gelegen, ist regelmäßig gebaut, mit Mauern umgeben und wird von der Hauptstraße Via Gonzaga durchschnitten. Die Stadt ist Sitz eines Bischofs sowie der Distriktsbehörden und zählt (1881) als Gemeinde 10369 E., welche viel Reisbau treiben. Sie ist öde und ärmlich in ihrem Aussehen und war einst die Residenz der Herzöge von G.; auf dem Marktplatze steht die eherne Statue Ferrantes I. Gonzaga (gest. 1559 zu Brüssel), von Leone Leoni von Arezzo. Die Stadt besitzt ein Kollegium, ein bischöfl. Seminar, eine Musikschule, eine Mädchenerziehungsanstalt, eine öffentliche Bibliothek und ein Theater. G. wurde von den Longobarden gegründet und noch in spätem Mittelalter Wardistalla genannt. Papst Paschalis II. J hier w1106 das Konzil ab, auf welchem über die nvestitur verhandelt ward. In späterer Zeit ward der Ort sehr bekannt als herzogl. Residenzstadt und durch seine Kriegsgeschicke. Das Gebiet von Guastalla gehörte im Mittelalter zuerst zu Reggio, hierauf seit Anfang des 14. Jahrh. zu Cremona, dann zu Mailand und wurde 1406 vom Herzog Maria Visconti von Mailand zur Grafschaft andsemn die er Guido Torelli von Mantua, dem Gemahl seiner Cousine, in Lehn gab. m J. 1539 erwarb Ferrante Gonzaga, einer der eldherren Karls V. und nachmals Gouverneur von ailand, G. von den Torelli, und es blieb seit 1621 mit dem herzogl. Titel bei seinen Nachkommen. Die am linken Ufer des Po gelegenen kleinen Fürstentümer Sabbionetta und Bozzolo wurden 1708 vom Herzog Vincenzo Gonzaga ererbt und als kaiserl. Lehn mit G. vereinigt. Nach dem kinderlosen Ableben Giuseppe Gonzagas (1746) zog die Kaiserin Maria Theresia das Ländchen als eröffnetes mailänd. Lehn ein, worauf dasselbe 1748 im Aachener Frieden dem span. Infanten Don Philipp als Herzog von Parma überlassen ward. Gleich den übrigen Staaten des Herzogs von Parma nahmen 1796 die Franzosen auch G., um es mit der cisalpinischen Republik zu vereinigen. Napoleons I. Schwester, Pauline Borghese, erhielt 1805 G. mit dem Fürstentitel. Durch den Wiener Kongreß wurde sodann dasselbe, Sabbionetta und Bozzolo ausgenommen, die an Osterreich fielen, nebst Parma und Piacenza der Gemahlin Napoleons, Marie Luise, überlassen, nach deren Tode (17. Dez. 1847) es zufolge der Konvention vom 10. Juni 1817 nebst Parma und Piacenza an Karl Ludwig von Bourbon, Herzog von Lucca, Urenkel Don Philipps, überging, der Lucca an Toscana und 8. Jan. 1848, gemäß des Florentiner Vertrags vom 28. Nov. 1844, das Herzogtum G. an Modena abtrat.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 590Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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