Guicciardini (Francesco), ital. Geschichtschreiber, geb. 6. März 1482 zu Florenz, aus angesehener Familie, studierte die Rechte zu Padua und erwarb sich bald als Rechtsgelehrter bedeutenden A sodaß er 1505 in seiner Vaterstadt, wo einige Jahre lang eine Rechtsschule eingerichtet war, die Professur der Rechte erhielt und 1511 zum Gesandten der Republik am Hofe Ferdinands von Aragonien ernannt wurde. Später rief ihn Leo X. an seinen Hof und übertrug ihm die Verwaltung von Modena und Reggio, die er auch unter Hadrian VI. behielt. Unter Clemens VII. war er Gouverneur der Romagna und 1527 Generalkommissar bei dem vom Herzog von Urbino befehligten venet. päpstl. Bundesheer, welches den Connétable von Bourbon vergeblich an der Erstürmung Roms zu hindern suchte. Später gehörte G. den Optimaten an, welche, nachdem der Papst sich wieder mit Karl V. verständigt hatte, Werkzeuge zum Untergang der Republik Florenz wurden. Seine Idee war ein Principat mit einem die Alleingewalt beschränkenden Rat der Optimaten. Das Principat kam zu Stande, zunächst (1532) unter Alexander Medici, nach dessen Ermordung (1537) unter Cosmus, zu dessen Erhebung er vorzugsweise thätig war. Den Rat der Optimaten aber schob Cosmus bald beiseite. Von aller Teilnahme an den Geschäften entfernt, schrieb G., in tiefer Zurückgezogenheit, meist auf einer Villa zu Arcetri bei Florenz, seine „Geschichte Italiens von 1492 bis 15305, schwerfällig im Stil, oft übermäßig breit in der Darstellung, aber als Werk eines in alle Staatsgeheimnisse eingeweihten, scharfsinnigen Mannes unschätzbar für die Kenntnis jener Epoche. G. starb in seiner Vaterstadt 17. Mai 1540. Die ersten 16 Bücher seiner Geschichte erschienen 1561, die letzten 4, die er nicht ganz vollendet hatte, 1564. Die beste Ausgabe derselben besorgte Rosini (10 Bde., Pisa 1819; 20 Bde., Par. 1837). Eine B. Adriam (1536—74) lieferte der Florentiner J. B. Adriani (gest. 1579) in der Istoria de' suoi tempio (Flor. 1583) und in neuerer Zeit Carlo Botta in der Geschichte Italiens von 1535 bis zur Französischen Revolutiono. Von höchstem Interesse sind seine von G. Canestrini illustrierten und von den Grafen P. und L. Guicciardini herausgegebenen Opere inedites (10 Bde., Flor. 1857—68), welche eine Kritik von Machiavellis 4Betrachtungen über T. Livius' Römische Geschichtex, eine unvollendete, aber sehr interessante Geschichte der florentin. Republik, mehrere polit. Traktate über florentin. Verfassung u. a., seine Gesandtschaftsberichte aus Spanien und übrigen amtlichen Papiere nebst Aufzeichnungen über sein eigenes Leben und seine Familie und polit.⸗moralische Betrachtungen enthalten. Vgl. Rosini, »Saggio sul G. (Pisa 1819 u. öfter); E. Benoist, 46. historien et homme d'état italiend (Par. 1862); Ranke, «Zur Kritik neuerer Geschichtschreiberd (2. Aufl., Lpz. 1874).