FeedGundling (Nikol. Hieronymus)
ReligionBrockhaus 1882

Gundling (Nikol. Hieronymus), vielseitiger deutscher Gelehrter, geb. 25. Febr. 1671 zu Kirchen-Sittenbach unweit Nürnberg, besuchte das Göymnasium zu Nürnberg und studierte dann Theologie zu Jena, Altdorf und Leipzig. Als Führer eines jungen Adeligen auf der Universität zu Halle führte ihn die Bekanntschaft mit Thomasius dazu, noch die Rechte zu studieren, worauf er 1703 Doktor derselben wurde. Er erhielt 1705 eine außerord., 1706 eine ord. Professur der Philosophie, 1708 die der Eloquenz und dann auch die des Natur⸗ und Völkerrechts, war inzwischen auch Konsistorialrat in Halle geworden, wurde später königl. Rat und dann Geheimrat und starb zu Halle 9. Dez. 1729. Unter seinen zahlreichen geschichtlichen und jurist. Schriften sind zu erwähnen: „Historie der Gelahrtheito, herausgegeben von Hempel (5 Bde., Frankf. u. Lpz. 1734 —36), später auch fortgesetzt (1746), und die Sammlung seiner kleinen Schriften vermischten Inhalts 4Gundlingianao (Halle 1751). Als ein Schüler von Christian Thomasius brachte er die naturrechtlichen Ansichten seines Lehrers in weitern Umlauf und erwarb sich um die freimütigere und methodischere Behandlung des deutschen Staats⸗ und Privatrechts große Verdienste. Jakob Paul, Freiherr von G., Bruder des vorigen, geb. 19. Aug. 1673 zu Hersbruck, wohin sich seine Mutter wegen Kriegsgefahr geflüchtet hatte, studierte zu Altdorf, Helmstedt und Jena, bereiste dann Holland und England und wurde 1705 Professor an der Adelsakademie zu Berlin und Historikus bei dem Oberheroldsamt. Der König Friedrich Wilhelm 1. ernannte ihn zum Hofrat und Zeitungsreferenten; später wurde er sogar Oberceremonienmeister und als Nachfolger von Leibniz Präsident der Akademie der Wissenschaften; auch war er Mitglied des Tabakskollegiums Friedrich Wilhelms. Aber seine Neigung zum Trunke sowie seine Zanksucht und Eitelkeit untergruben seine gesellschaftliche Stellung am Hofe und machten ihn zur Zielscheibe des Spottes der Hofgesellschaft. Seine Erhebung in den Freiherrenstand (1724) war kaum ernst zu nehmen. G. starb zu Potsdam 11. April 1731 und wurde zu Bornstädt in einem Weinfasse begraben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 626Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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