Günther, Erzbischof von Köln seit 20. Mai 850, ist am meisten bekannt durch seine langjährige, aber schließlich fruchtlose Opposition gegen die von Rom bestätigte Trennung Bremens vom erzbischöfl. Sprengel und durch die Unterstützung, welche er seinem Landesherrn König Lothar II. von Lotharingien gewährte, als dieser seine Gemahlin Thietberga des Ehebruchs beschuldigte, um sich von ihr zu trennen und die Geliebte Waltrade zu heiraten. G. rechtfertigte die Scheidung und krönte 862 Waltrade zur Königin. Er selbst begab sich mit dem Erzbischofe Thietgaud von Trier nach Rom, um die päpstl. Genehmigung zu erwirken. Diese wurde nicht nur versagt, sondern Nikolaus I. setzte Oktober 863 die beiden Erzbischöfe wegen ihrer Beteiligung an der Ehescheidung sogar ab. Trotzdem versuchte G. in Köln weiter zu fungieren, in der Hoffnung, daß der König, welcher nur vorüber-Lhieto der Entscheidung des Papstes zu Gunsten hietbergas sich gefügt hatte und bald wieder zu Waltrade zurückkehrte, ihn schützen werde. Aber Lothar schwankte fortwährend und versöhnte sich schließlich 869 mit Rom, sodaß auch G. sich fügen mußte, um aus dem Banne zu kommen. Als dann Lothar 8. Aug. 869 starb, hoffte G. aufs neue durch Karl den Kahlen von Frankreich in Köln gefördert zu werden. Aber bei der Teilung Lotharingiens 870 zwischen Frankreich und Deutschland kam Köln an Ludwig den Deutschen, und dieser veranlaßte dort sogleich eine neue Wahl, durch die ein kölnischer Geistlicher Willibert Erzbischof wurde. G. starb 8. Juli 873. Vgl. Dümmler, «Geschichte des Ostfränkischen Reichs » (Bd. 1, Berl. 1862).