FeedGurko (Joseph Wladimirowitsch)
GeschichteBrockhaus 1882

Gurko (Joseph Wladimirowitsch), russ. General, aus altadeliger russ. Familie stammend, geb. 15. Nov. 1828, wurde im kaiserl. Pagenkorps in Petersburg erzogen und trat 1846 als Kornett in das Leibgarde-Husarenregiment ein, wurde dann in die Generalstabsschule kommandiert und 1852 als Hauptmann in die Linieninfanterie versetzt, in welcher er den Krimkrieg als Kompagniechef im Regimente Diebitsch mitmachte. Im J. 1857 kehrte G. als Stabsoffizier in die Garde zurück und wurde Eskadronschef im Leibgarde-Husarenregiment, drei Jahre später Flügeladjutant des Kaisers und 1861 Oberst, nahm 1863 an der Niederwerfung des poln. Aufstandes mit Auszeichnung teil und wurde 1866 Kommandeur eines Husarenregiments, 1867 Generalmajor und Kommandeur des Leibgarde⸗-Grenadierregiments zu Pferd. G. blieb nun in der Gardekavallerie, wurde 1873 Brigadekommandeur und 1876 Divisionskommandeur. Bei Ausbruch des Kriegs gegen die Türkei 1877 erhielt G. den Befehl über die Vorhut der russ. Donauarmee und eilte mit seinen Truppen nach überschreitung der Donau in Gewaltmärschen nach Tirnowa (7. Nagssowie danach über den Balkan bis auf zwei Tagemärsche von Adrianopel vor. Dieser kühne Zug machte G.s Namen sehr bekannt, war indessen für den Verlauf des Kriegs bedeutungslos, da die wenigen unter seinem Befehle ins Tundschathal vor1gedrungenen Truppen sehr bald vor den heran⸗ „äziehenden türk. Reservekorps über den Balkan zu⸗ „frückgehen mußten und die inzwischen auf das rechte Donauufer übergegangenen Korps der russ. Haupttarmee durch die nördlich des Balkan stehenden, noch intakten beiden Feldarmeen der Türken und )Rustschuk festgehalten wurden. G. kehrte zu An⸗ „fang August vor dem Heere Suleyman Paschas nach dem Schipkapasse zurück und besetzte die Paßhöhe. Bald darauf wurde G. unter Ernennung zum Generaladjutanten nach Petersburg zurückberufen, um dort seine Gardekavalleriedivision zu mobilisieren und auf den Kriegsschauplatz zu führen. Im Oktober übernahm G. den Befehl über ein großes Kavalleriekorps, welches die rückwärtien Verbindungen des bei Plewna stehenden türk. Heeres unter Osman Pascha unterbrechen und die Einschließung dieses Heeres vollenden sollte. G. schlug die unter Schefket Pascha heranziehenden türk. Verstärkungen 24. Okt. bei Gornii Dubnjak und nahm 28. Okt. Tetisch, wodurch die Einschlie⸗ [ßung der Plewna-Stellung eine vollständige wurde. Nach dem Falle dieses Platzes erhielt er Tagen des überwiesen und überschritt in den letzten Tagen des Dezember unter sehr schwierigen Verhältnissen den Balkan, besetzte 4. Jan. 1878 Sophia, marschierte von dort aus nach Philippopel und trieb die Armee Suleyman Paschas, welche durch die blutigen Kämpfe im Schipkapasse bereits gebrochen war, 16. und 17. Jan. auseinander, worauf G. bei Adrianopel mit der russ. Hauptarmee in Verbindung trat und mit dieser den Zug bis in die Nähe von Konstantinopel mitmachte. Nach der Beendigung des Kriegs wurde G. zum General der Kavallerie befördert und als dienstthuender Generaladjutant bei dem Hauptstabe des Kaisers verwendet und 14. April 1879 infolge des von Solowiew gegen den Kaiser unternommenen Mordversuchs mit sehr ausgedehnten Vollmachten zum Generalgouverneur von Petersburg, über welches gleichzeitig der Belagerungszustand verhängt wurde, ernannt. Da jedoch während des nächsten Winters noch zwei Attentate gegen das Leben des Kaisers stattfanden, wurde G. seiner Stellung enthoben, bald darauf auch von jeder weitern militärischen Dienstleistung entbunden und auf seine Güter verwiesen. Erst Kaiser Alexander III. rief G. wieder in den aktiven Dienst zurück und übertrug demselben im Sommer 1883 das Generalgouvernement über den Militärbezirk Warschau.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 632Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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