Gury (Joh. Peter), namhafter Lehrer der kath. Moral, ward 23. Jan. 1801 in Mailleroncourt (Franche-Comté) geboren, trat 1824 in den Jesuitenorden, studierte 1828—32 in Rom Theologie, ward 1833 Professor der Moral am Jesuitenkollegium in Vals bei Le Puy, 1847 im Collegium Romanum zu Rom. Im J. 1848 von Rom vertrieben, kehrte er nach Vals zurück, wo er bis an seinen Tod (18. April 1866) nicht bloß als Lehrer der Moral, sondern besonders auch durch praktische Seelsorge, durch Katechesen und Missionen unter der armen Gebirgsbevölkerung mit Eifer wirkte. Seinen Ruf begründete G. durch das 1850 zuerst erschienene, weitverbreitete Compendium theologiae moraliso, das in 17, von dem Verfasser selbst besorgten Auflagen erschien (deutsch von Wesselak, Regensb. 1868). Im J. 1864 folgten die Casus conscientiae v. Das „Compendiumo ist ein Schulbuch, das auf das Beichthören vorbereiten soll und deshalb die Grundsätze der Moral an einzelnen Beispielen, besonders an einzelnen Sünden, erläutert. Dies geschieht meist in der Weise, daß die Ansichten hervorragender kath. Theologen, besonders des heil. Liguori, aufgeführt und, wo dieselben geteilt sind, die beiderseitigen Gründe vorgebracht werden. Gegenüber der in Frankreich verbreiteten strengern Lehre des Janenismus vertritt G. entschieden den Probabilis-⸗ mus in der Moral. Vgl. Keller, «Die Moraltheologie des Jesuitenpaters G.y (2. Aufl. 1870); Götting, Wo wird in dem Lehrbuche der Moraltheorie des Jesuiten G. Diebstahl, Urkundenfälschung, Ehebruch und Meineid für erlaubt erklärt?»(Berl. 1882).