Güstrow, Hauptstadt des Wendischen Kreises des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, an der Nebel Moclen⸗ Station der Linie Lübeck-Strasburg der Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn und Endstation der Güstrow-Plauer Eisenbahn, ist eine der gewerbsamsten und belebtesten Städte des Landes und Sitz eines Amts⸗, Land- und Schwurgerichts. Die Stadt hat ein 1869 neu erbautes großherzogl. Gymnasium (die 15⁵³j gestiftete und 1859 reorganisierte Domschule) mit einer Bibliothek von mehr als 15000 Bänden, eine städtische Realschule (seit 1840), eine Bürgerschule, eine Volksschule, eine Gewerbe- und vier Töchterschulen, ein 1876 erbautes Krankenhaus und ein Landarbeitshaus im Schlosse, und zählt nebst der zum herrschaftlichen Schlosse und zum vormaligen Kollegiatstifte gehörigen Burg⸗ und Domfreiheit (1880) 11997 meist prot. E. Unter den öffentlichen Gebäuden sind hervorzuheben: die got. Domkirche der heil. Cäcilie, aus dem 13. Jahrh., 1868 renoviert, mit kostbaren Monumenten; das Schloß, die 1881—83 restaurierte Pfarrkirche mit einer vorzüglichen Orgel und kostbaren Gemälden der altniederländ. Schule, das Rathaus, das Gebäude des Schwurgerichts, das Schauspielhaus und das Wollmagazin am Wall. G. braute früher das berühmte Bier Kniesenack, besitzt auch noch sechs Brauereien, außerdem Tabaksfabriken, Eisengießereien, Maschinenfabriken, Dampfsägemühlen, Leim⸗, Licht⸗, Seifenfabriken, Zuckerfabrik, Konservenfabriken, zwei Federreinigungsfabriken u. s. w. Der Handel ist eträchtlich, det jährlich mit Holz, Butter und Vieh. Auch findet Dran ein Wollmarkt statt. Die Stadt ward im Anfange des 13. Jahrh. gegründet. Seit 1219 wurde sie Residenz des Fürsten Heinrich Borwin II., unter welchem sie 1222 schwerin. Recht erhielt und 1226 das Domkollegium gestiftet wurde. Ihr im 16. Jahrh. neu erbautes Schloß war 15561695 Residenz der Herzöge von Mecklenburg-G. Auch Wallenstein residierte hier 1628 — 29. Gegenwärtig befindet sich das Landarbeitshaus darin.