Guzerate, Gujerät oder Gudscharät, ehemals ein mächtiges Königreich, nahm mit der Hälfte seines frühern Areals die Dun gehorer zu der indobrit. Präsidentschaft Bombay gehörende Division G. ein, welche die Kattywar oder auch G., arab. Gezirah, genannte, westlich vom Arabischen Meere, südöstlich vom Golf von Cambay, nördlich vom Golf von Katschh bespülte Halbinsel umfaßt und in fünf Distrikte zerfällt. Dieselbe steigt im allgemeinen nach der Mitte an und ist an der Westküste in den Birdabergen 6—700 m 27 Im Südostteile erhebt sich zu 500 m der isolierte Basaltberg Palitanna, berühmt wegen der großen Menge von Tempeln und Klöstern der Dschainas. Westlich von ihm erhebt sich die wichtigste Höhe der Halbinsel, der Girmar, ein wilder Haufe granitischer Spitzberge bei der alten Stadt Dschunagarh, bekannt wegen ihrer zahlreichen und kostbar ausgestatteten Wallfahrtsorte und Klöster der Dschainas, Brahmanen und Mohammedaner. Das dem Golf von Cambay gegenüberliegende Festland von G. wird vom Nordende der West-Ghats, sowie von der Satpurakette und deren Ausläufern durchzogen. Auch das westl. Ende des Vindhyagebirges, die Barriahügel und Lunawaraberge liegen innerhalb des Gebietes, dessen wichtigste Ströme der untere Tapti und Nerbudda, der Mahi (Myhee) und Sabarmati sind. Das Klima, vorzugsweise das der Halbinsel, weniger das des an sie grenzenden Festlandes ist sehr ungesund. Das frühere Reich G. umfaßte 107 580 qkm, von denen auf die Halbinsel 50 746 kommen. Das Land ist teilweise schön bewaldet, Die Dattel⸗ und Palmyrapalme wird längs der See in ausgedehnten Strecken gepflanzt, und die Mhowa und Manga gedeihen in Fülle. Reis wird im Süden, Weizen im Norden in großer Menge gewonnen, ebenso Dschowar und Baschra, welche die Hauptnahrung der Bevölkerung bilden. Im Süden ist Zucker, noch mehr Baumwolle Hauptartikel. Das wichtigste Haustier ist das Kamel, neben welchem der Ochse als Lasttier benutzt wird. Die Pferde von G. waren ehemals berühmt. Feldbau ist der Hauptnahrungszweig der Bevölkerung, die Industrie jetzt erloschen. Die Einwohner sind sehr verschiedenen Stammes, die Maharatten die herrichende Rasse; zahlreich sind auch die Radschputen. Je nach der Nationalität werden verschiedene Sprachen gesprochen, aber die eigentliche Landessprache ist das dem Hindid nahestehende Guzerati, welches meist als Gerichtssprache und auch von den Parsis in den Erklärungsschriften ihrer heil. Bücher, sowie in ihren Streitschriften gegen die christl. Missionare angewendet wird. Das Land wird teils unmittelhar von den Briten beherrscht, teils von deren maharattischen Vasallenfürsten, unter denen der von Baroda der mächtigste ist. Das unmittelbare Land zählt (1872) auf 25 900 qkm 2810522 E., das Gebiet der Tributärstaaten auf 24840qkm 2 130811 E. Onzerati, s. unter Guzerate und Indische Sprachen.