Hahnemann (Samuel Christian Friedr.), der Begründer des homöopathischen Heilsystems (s. Homöopathie), wurde 10. April 1755 als Sohn eines Porzellanmalers zu Meißen geboren, wo er die Fürstenschule besuchte; 1775 ging er nach Leipzig, wo er gegen den Willen seines Vaters Medizin studierte und die Mittel dazu besonders durch übersetzen englischer mediz. Werke sich erwarb. Später wandte er sich nach Wien, von wo ihn der Statthalter von Siebenbürgen, Baron von Brückenthal, mit sich als Hausarzt und Bibliothekar nach Hermannstadt nahm. Nach einigen Jahren kehrte er nach Deutschland zurück und vollendete in Erlangen seine Studien, wo er auch 1779 promovierte. Hierauf lebte er als praktischer Arzt in Hettstädt im Mansfeldischen und in Dessau, übernahm dann das Physikat zu Gommern bei Magdeburg, entsagte indes, durch die Unzuverlässigkeit der Heilkunde bewogen, der mediz. Praxis, widmete sich den mediz. Studien und dem schriftstellerischen Fache und ging 1784 nach Dresden, 1789 aber nach Leipzig, wo er endlich bei der Übersetzung von Cullens Materia medicas auf die Bahn einer neuen Heilmethode geleitet wurde. Die Erklärung nämlich, welche Cullen von der fiebervertreibenden Kraft der Chinarinde gab, befriedigte H. so wenig, daß er, um dieser Kraft auf die Spur zu kommen, selbst eine ziemlich starke Dosis dieses Mittels als Gesunder nahm, worauf er eine dem Wechselfieber ähnliche Krankheit bekam. Auf diese Erfahrung gestützt, begann er von neuem Kranke zu behandeln, legte auch in Georgenthal bei Gotha eine Anstalt zur Heilung Geisteskranker an, die er indes bald wieder aufgab. Hierauf sammelte er in Walschleben, Pyrmont, Braunschweig, Königslutter, Altona, Eilenburg, Wittenberg und Torgau Beobachtungen und Erfahrungen zu seinem neuen Heilsystem, das er, nachdem er sich in Leipzig niedergelassen, in seinem Organon der rationellen Heilkunder (Dresd. 1810; 6. Aufl., Köthen 1865) zuerst als ein Ganzes der Offentlichkeit übergab. Trotz vieler Angriffe fuhr er fort, nach demselben seine zahlreichen Kranken zu behandeln, bis ihm von seiten der Regierung 1820 das Selbstdispensieren verboten und er dadurch, indem er seine Arzneien in den Apotheken nicht bereiten lassen konnte, genötigt wurde, seine Heilmethode praktisch aufzugeben. Doch der Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen eröffnete ihm und seiner Heilmethode ein Asyl und berief ihn unter Beilegung des Hofratstitels nach Köthen. Hier blieb H. bis zum J. 1835, in welchem er 5 wieder mit einer jungen Französin Melanie d'Hervilly, vermählte und in Paris für sich und seine Lehre einen weitern Wirkungskreis suchte und auch fand. Er starb zu Paris 2. Juli 1843. Wie man auch über H.s Methode urteilen möge, seine Geisteskräfte und Kenntnisse waren keine gewöhnlichen und seine rastlose Thätigkeit hat manches zu Tage gefördert, was allgemeine Anerkennung fand. Von seinen Werken sind noch zu erwähnen: aliber Arsenikvergiftungen» (Lpz. 1786), «Üüber venerische Krankheiteno» (Lpz. 1788), (Der Kaffee in seinen Wirkungeno (Lpz. 1803), Eragmenta de viribus medicamentorum positiviso (2 Bde., Lpz. 1805), Reine Arzneimittellehrey (6 Bde., Dresd. 1811; 2. Aufl. 1822—26; 3. Aufl., Bd. 1 u. 2, 1830—33), Die chronischen Krankheiteno (2. Aufl., 5 Bde., Dresd. u. Düsseld. 1835— 39). Seine kleinern Schriften wurden von Stapf gesammelt (2 Bde., Dresd. u. Lpz. 1829—34). Von den homöopathischen Arzten Deutschlands wurde ihm 1851 zu Leipzig eine Statue (von Steinhäuser), eine zweite 1855 zu Dessau (von Schmidt) errichtet. Vgl. Albrecht, cH.s Leben und Wirkeno (2. Aufl., Lpz. 1875). Sahnemanns Weinprobe, ein von dem Begründer der Homöopathie angegebenes Mittel zum Nachweis einer Verfälschung des Weins mit löslichen Bleisalzen, besteht nach der ursprünglichen Vorschrift aus einer mit Weinsäure angesäuerten Lösung von Schwefelcalcium, ist also im wesentlichen eine Lösung von Schwefelwasserstoff. Bleihaltiger Wein gibt auf Zusatz der Flüssigkeit eine braune Farbe oder bei größern Mengen von Blei einen schwarzen Niederschlag.