FeedHähnel (Ernst Jul.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Hähnel (Ernst Jul.), ausgezeichneter Bildhauer, geb. zu Dresden 9. März 1811, studierte an der dortigen Bauschule unter Thürmers Leitung die Baukunst und ging 1830 zu gleichem Zwecke nach München. Dort führten ihn indes die antiken Bildwerke der Glyptothek zur Plastik. Im folgenden Jahre reiste er nach Italien, verweilte seit 1835 drei Jahre in München, wo der Umgang mit Genelli und Schwind und die Anschauung der Werke von Cornelius ihn bestimmter in die Richtung führten, für welche ihm Michel Angelo den Anstoß gegeben. Auf Sempers Veranlassung wurde er 1838 nach seiner Vaterstadt zurückgerufen, um einen Teil der Skulpturen am neuen Theatergebäude zu fertigen. Das Innere erhielt einen Fries von seiner Hand, der einen Bacchuszug zum Gegenstande hatte. Für die äußere Ausschmückung des Gebäudes meißelte H. in Sandstein die Statuen von Sophokles und Aristophanes, Shakspeare und Molidre. Hierzu kommen noch einige Karyatiden und Ornamente. Ingleichen erhielt das neue Orangeriehaus von ihm die beiden Sandsteinfiguren der Flora und Pomona. Im J. 1842 errang er mit seinem Modell einer Beethoven-Statue den Sieg in einer von Bonn ausgeschriebenen Preisbewerbung, und 12. Aug. 1845 wurde sein in Erz gegossenes Denkmal des Tondichters auf dem Münsterplatze zu Bonn enthüllt. Die nächste größere Arbeit war für das Universitäts-Jubelfest in Prag eine Statue Karls IV., welches im mitteralterlichen Stil gehaltene Standbild 1848 enthüllt wurde. Die nächsten Jahre waren mit der Arbeit an den Skulpturen für das neue Museum in Dresden ausgefüllt. Außer zahlreichen Reliefs aus dem Alten Testament und der antiken Mythe bestehen dieselben aus sechs überlebensgroßen Statuen in Sandstein: Alexander, mit jenem Aufblick, wie ihn Lysipp zu bilden pflegte; Lysipp selbst, eine fein stilisierte Gewandfigur; Michel Angelo in männlich straffer Haltung; Dante, scharf und streng, mit einem Buch, in welchem die Rechte blättert; Rafael, die schönste und gelungenste (später für das leipziger Museum in Marmor wiederholte) Figur, niederschreitend von erhöhter Stufe, anmutig und frei; endlich die Gestalt von Peter von Cornelius. Diesen Arbeiten folgten seit 1858 die vier Evangelisten und die heil. Drei Könige für den Turmbau zu Neustadt-Dresden in doppelter Lebensgröße; darauf das Denkmal des Königs Friedrich August II. von Sachsen für Dresden, welches 1867 auf dem Neumarkt aufgestellt wurde. Außerdem vollendete der Künstler die Reiterstatue des Feldmarschalls Fürsten Schwarzenberg für Wien, eine Reiterstatue für den Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig und eine 3 m hohe Statue von Theodor Körner für Dresden sielte aufgestell). Für das wiener Opernhaus stellte H. 1875 die beiden Pegasusgruppen in Bronze her, welche daselbst die Fagade in bedeutender Höhe dekorieren. Die Idealgestalten in der Loggia entstanden nach einem 1867 dem Künstler gewordenen Auftrage. Sie stellen die fünf Gestalten der Phantasie, die tragische und komische Muse, den Heroismus und die Liebe vor. Im J. 1873 wurden die in Bronze gegossenen Figuren aufgestellt. Für Leipzig lieferte H. 1883 eine Bronzestatue von Leibniz. H. ist seit 1842 Ehrenmitglied, seit 1848 Professor und Mitglied des Rats der dresdener Akademie. Nachdem er 1855 einen Ruf an die Akademie zu Wien abgelehnt, wurde ihm vom Staate ein Atelier eingeräumt, in welchem er als Lehrer anregend und fördernd wirkt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 710Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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