Haidinger (Wilh., Ritter von), namhafter Mineralog und HKart geb. 5. Febr. 1795 zu Wien, vierter Sohn Karl H.s (geb. 10. Juli 1756, gest. 16. März 1797), der sich auf dem Gebiete der Mineralogie und Geognosie verdient gemacht, besuchte die Normalschule zu St. Anna, die Grammatikalklassen und die erste Humanitätsklasse in Wien und sing im Herbst 1812 zu Mohs nach Graz, dann mit etzterm 1817 nach Freiberg. Seit 1823 lebte H. zu Edinburgh im Hause des Bankiers Thomas Allan, übersetzte hier Mohs' «Grundriß der Mineralogies in das Englische und gab das Werk vermehrt und verbessert unter dem Titel «Treatise on mineralogys (3 Bde., Edinb. 1825) heraus. In den J. 1825 und 1826 begleitete er einen Sohn Allans auf Reisen. Nachdem er 1827 — 40 mit seinen Brüdern auf der Porzellanfabrik zu Elbogen zugebracht, ward er im April 1840 an Mohs' Stelle als k. k. Bergrat nach Wien berufen, wo er die Aufstellung der Mineraliensammlung der Hofkammer im Münz⸗ und Bergwesen besorgte. Im J. 1843 begann H. seine Vorlesungen über Mineralogie, für die er ein Handbuch der bestimmenden Mineralogier (Wien 1845) bearbeitete. Unter seiner Leitung entwickelten sich auch die gesellschaftlichen Bestrebungen der „Freunde der Naturwissenschaften), deren Naturwissenschaftliche Abhandlungeno (4Bde., Wien 1847—52) und Berichte über die Mitteilungen von Freunden der Naturwissenschaften in Wienv (7 Bde., Wien 1847—52) er herausgab. Die treffliche Geognost. übersichtskarte der österr. Monarchier wurde ebenfalls unter H.s Leitung 1847 ausgeführt. Im J. 1847 unter die Mitglieder der kaiserl. Akademie aufgenommen, ward er 1849 bei Gründung der Geologischen Reichsanstalt zum ersten Direktor derselben ernannt. H. stand 17 Jahre lang an der Spitze dieses Instituts und verlieh ihm durch seine eminente Organisationskraft eine Verfassung, welche es zu einer Musteranstalt ersten Ranges macht. Die erste geolog. Übersichtsaufnahme des Kaiserstaats wurde 1862 vollendet, und eine geognost. Karte desselben im Maßstabe von 1:576 000 und in Farbendruck erschien 1866. Zahlreiche Arbeiten von H. sind in Facheitschriften veröffentlicht. Auf seine Anregung bilete sich gegen Ende 1855 die Geographische Gesellchaft zu Wien, deren erster Präsident er wurde. ei Gelegenheit seines 70. Geburtstags 1865 ward H. in den erblichen österr. Ritterstand erhoben und 1866 in Ruhestand versetzt; er starb w19. März 1871 auf seinem Landgute zu Dornbach bei Wien.