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ReligionBrockhaus 1882

Halle gab die Auswanderung des Rechtsgelehrten Christian Thomasius aus Leipzig, dem eine Menge von Studierenden folgte. Durch den Umstand, daß Spener und Seckendorf, des Thomasius Freunde, großen Einfluß auf die Berufung der Professoren hatten, erhielt die neue Universität und namentlich die theol. Fakultät derselben sogleich einen sehr bestimmten Charakter. Man berief fast silschen Par-Theologen der damals neuen sog. pietistischen Partei, wodurch die Universität nebst den gleichzeitig entstandenen Franckeschen Stiftungen ein Hauptsitz dieser theol. Richtung wurde. Diese blieb die herrschende, bis Christian von Wolf die Gemüter der Studierenden für mathem.⸗philos. Wissenschaften zu gewinnen wußte, zuletzt mit seiner ganzen Schule das Feld behauptete und mittelbar einem Semler den Weg bahnte, der eine gelehrte histor.⸗philol.⸗kritische Behandlung der gesamten Theologie begründete. Im Anfange des 19. Jahrh. zu bedeutender Blüte gelangt, wurde die Universität durch Napoleon nach der Schlacht von Jena plötzlich aufgelöst. Zwar stellte sie nach dem Tilsiter Frieden die neue westfäl. Regierung wieder 111 allein die Zahl der Studierenden erhob sich nicht über 3—400. Im J. 1813 wurde sie zum zweiten male auf Befehl Napoleons aufgehoben und die Lehrer auf halbe Besoldung gesetzt, mit der Aussicht, auf andern westfäl. Lehranstalten wieder angestellt zu werden. Die leipziger Schlacht gab jedoch dem Schicksale der Hochschule eine andere Wendung. Der König von Preußen entschied sich nicht nur für ihre Erhaltung, sondern verband au mit ihr (Kabinettsordre vom 12. April 1815) die Universität zu Wittenberg (s. d.). Die seit 1817 mit Wittenberg faktisch verbundene Universität erhielt nun den Namen Vereinigte Friedrichsuniversität H.⸗Wittenberg. Seitdem hob sich die Universität wieder rasch, sodaß die Zahl der Studierenden 1829 gegen 1300 betrug. Später sank die Frequenz auf 5 — 600 herab, ist aber seit 1880 im Steigen und hat sich während dieser Zeit von 1100 auf 1500 (1883) gehoben. Bei der Universität bestehen ein theol. und pädag. Seminar, großartige Kliniken, sowie ein Entbindungsinstitut. Mit ihr wurde 1862 ein landwirtschaftliches Institut verhunden. Die Bibliothek umfaßt mehr als 100000 Bände nebst Münzkabinett und Kupferstichsammlung. (Vgl. Hertzberg und Böhmer, «Zur Geschichte der Vereinigung von Wittenberg und H. v,

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 734Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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