Halle 1867). Auch sonst trägt die Stadt noch vielseitig seit zwei Jahrhunderten die Physiognomie einer Schulstadt. H. wird zuerst 806 als Burg Halla erwähnt, die damals als deutsche Grenzfestung gegen die Slawen unter Karl d. Gr. auf slaw. Boden und bei einer alten slaw. Ansiedelung angelegt worden war. Durch Kaiser Otto J. wurde es 965 dem neugestifteten Erzbistum Magdeburg geschenkt und (allerdings nur nach einer sehr schlecht begründeten Tradition) 981 durch Otto II. zur Stadt erhoben. Mit Anfang des 12. Jahrh. beginnt die Handelsblüte der Stadt, die dann im 13. und 14. Jahrh. als Mitglied der Hansa ihren Territorialherren, den Erzbischöfen von Magdeburg, gegenüber sich fast unabhängig stellte und zu Anfang des 15. Jahrh. so mächtig war, daß sie langwierige Fehden mit denselben führen konnte. Erbitterte Kämpfe zwischen der zünftigen Demokratie und dem Patriciat der Pfänner brachten es dann dahin, daß Erzbischof Ernst 1478 die Stadt unterwerfen konnte. Die Reformation fand in H. schon seit 1522 d Maind obgleich der Erzbischof von Magdeburg und Mainz, Albrecht V. alles that, dies zu hindern. Den Sieg errang die Reformation 1541. Im Dreißigjährigen Kriege wurde der Wohlstand der Stadt auf lange Zeit gänzlich zerrüttet. Durch den Westfälischen Friedensschluß kam sie mit dem Erzstift an das Haus Brandenburg, in dessen Gebiet sie 1680 einverleibt wurde. Infolge des Siebenjährigen Kriegs verarmte die Stadt wieder ganz. Im franz. Kriege wurde sie 17. Okt. 1806 mit Sturm genommen, hierauf zum Königreich Westfalen geschlagen und erst nach der Auflösung desselben wieder mit Preußen vereinigt. In der Nähe von H. ist besonders das Dorf und Schloß Giebichenstein (s. d.) mit dem Bade Wittekind zu bemerken. Litteratur. Dreyhaupt, «Ausführliche Beschreibung des Saalkreises v (2 Bde., Halle 1755; im Auszuge von Stiebritz, 2 Bde., Halle 1771—73; fortgesetzt von Eckstein, Halle 1842 —44); Knauth, „Kurze Geschichte und Beschreibung der Stadt H. v (3. Aufl., Halle w1861); vom Hagen, «Die Stadt H., nach amtlichen Quellen » (2 Bde., Halle 1866 —67 Ergänzungshefte: die «Verwaltungsberichte der Stadt H. », Halle 1866 fg.); Führer durch H. (Halle 1881); Schwetschke, „Zur Gewerbegeschichte der Stadt H. von 1680 bis 18805 (Tl. 1, Halle 1883).