FeedDio Cassius
GeschichteBrockhaus 1882

Dio Cassius, eigentlich Cassius Dio, griech. Historiker, wurde zu Nicäa in Bithynien um 160 n. Chr. geboren und als Sohn eines Mannes, der zu höhern röm. Amtern gelangte und als Enkel von Dio Chrysostomus, von dem er auch den Beinamen Coccejanus ererbt hat, auf das sorgfältigste erzogen und gebildet. Im J. 190 saß er bereits im Senat und wurde 221 zum ersten, 229 zum zweiten mal Konsul. Infolge der Strenge, die er als militärischer Befehlshaber gezeigt hatte, ward er aber von den Prätorianern bedroht, sodaß er auf den Rat des Kaisers während seines zweiten Konsulats aus Rom sich entfernte. Bald darauf zog er sich in seine Vaterstadt ins Privatleben zurück. Sein Geschichtswerk, dem er, wie er selbst sagt, 22 Jahre widmete, nämlich 10 Jahre der Sammlung, 12 der Ausarbeitung des Stoffs, enthielt die röm. Geschichte von der Gründung Roms bis 229 n. Chr. in 80 Büchern. Erhalten sind aber nur das 37. bis 59. abgesehen von einigen Lücken vollständig, das 36. und 60. unvollständig, außerdem ein Teil des 35. und das 36. bis 80. im Auszuge des Joannes Xiphilinos, eines byzant. Mönchs im 11. Jahrh.; dazu kommen zahlreiche Fragmente namentlich in den Excerpten des Konstantinos Porphyrogennetos und die im 12. Jahrh., was die röm. Geschichte angeht, größtenteils aus D. excerpierte Weltgeschichte des Zonaras. D. besitzt als Geschichtschreiber manches Verdienst. Er ist fleißig und sorgfältig, und hat als Mann, der selbst an den Staatsgeschäften hervorragenden Anteil hatte, ein offenes Auge für polit. Dinge und den Kausalzusammenhang der Begebenheiten, und so ist der erhaltene Rest seines Werks für die Geschichte der letzten Zeit der Republik und die der ersten Jahrhunderte der Kaiserzeit eine der wichtigsten Quellen. Seine Fehler sind Parteilichkeit gegen die großen Männer der frühern röm. Geschichte, die er nicht zu würdigen vermag, und Schmeichelei gegen mächtige Zeitgenossen. Unter den Ausgaben verdient die von J. A. Fabricius und Reimarus (2 Bde., Hamb. 1751 — 52; neu bearbeitet von Sturz, 9 Bde., Lpz. 1824 —36) den Vorzug. Neuere Handausgaben veranstalteten J. Bekker (2 Bde., Lpz. 1849) und L. Dindorf (5 Bde., Lpz. 1863 —65). Deutsche Übersetzungen lieferten Wagner (5 Bde., Frankf. a. M. 1783—96) und Tafel (16 Bde., Stuttg. 1831—44). Über D. Cassius' Quellen und seine Art, sie zu benutzen, haben neuerdings viele geschrieben. In größern Arbeiten ist dies von Niebuhr, Egger, Nissen und Peter, zuletzt von Ranke, in dessen «Weltgeschichtes (Bd. 3, 1883) geschehen. Außerdem sind namentlich von Wilmanns (Berl. 1835), Baumgartner (Tüb. 1880), Posner (Bonn 1874), Grashof (Bonn 1867), Heimbach (Bonn 1878), Christensen (Berl. 1871), Sickel CGasch 1876) u. a. größere oder kleinere Teile seines eschichtswerks kritisch untersucht worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 367Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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