FeedHarän
GeschichteBrockhaus 1882

Harän, berühmter Kalif, mit dem Beinamen Al-Raschid, d.h. der Gerechte, den er jedoch nicht von der Nachwelt, sondern von seinem Vater el-Hadi erhielt, als er zum Thronfolger bestimmt wurde, trat das Kalifat 786 n. Chr. an in einem Alter von 21 oder nach andern von 25 Jahren. Seine Regierung war im ganzen glücklich, wenn auch in verschiedenen Provinzen seines Reichs gefährliche Aufstände ausbrachen und ein Teil der Länder, welche das jetzige Königreich Marokko bilden, von ihm abfiel und einem Abkömmling Alis huldigte. H. fand in der in seinem Dienste stehenden pers. Familie der Barmekiden tüchtige Staatsmänner und Feldherren, welche ihm den größten Teil der Staatsgeschäfte abnahmen. In das bereits von Manßur gegründete und von ihm zur Residenz erhobene Bagdad strömte aus allen Gegenden seines weiten Reichs Tribut und gab ihm die Mittel, in großartiger Prachtliebe daselbst die schönsten Bauten ausführen zu lassen. Zugleich liebte er Gelehrsamkeit, Dichtkunst und Musik und sein Hof war der Sammelplatz der berühmtesten Männer der mohammed. Welt. Gegen das Ende seiner Regierung wurde er gegen die Barmekiden mit Mißtrauen erfüllt und ließ sie 803 insgesamt teils einkerkern, teils hinrichten. Selbst seinen Liebling Dschafar, der ihn auf seinen nächtlichen Wanderungen durch Bagdad stets begleiten mußte, verschonte er nicht; ja es wird sogar behauptet, Dschafar sei die Ursache des Verderbens der ganzen Familie gewesen. Derselbe war nämlich formell mit einer Schwesier H.s vermählt, welche dieser selbst leidenschaftlich liebte. Dschafar sollte nur den Namen eines Gatten führen, um, ohne gegen die orient. Sitten zu verstoßen, in die innersten Familientreise des Kalifen zugelassen werden zu können. Als er aber auch von den Rechten eines Gatten Gebrauch machte, wurde er aus der Welt geschafft. Diese grausame That hatte für H. und sein Reich die traurigsten Folgen. Von jener Zeit an brach ein Aufstand nach dem andern aus und das Reich des Kalifen wurde der Schauplatz der schlimmsten Bürgerkriege, welche den Wohlstand der Bevölkerung zerrütteten und dem Staate den innern Halt benahmen. Cbot Jahre nach dieser Katastrophe zog H. nach Chorasan zur Unterdrückung eines Ausstandes, der sich über ganz Transoxanien verbreitet hatte, erkrankte aber in Tus und starb daselbst 23. März 809. wurde in Liedern und Erzählungen gefeiert und ebt auch noch als der berühmteste Kalif in den Märchen der Tausendundeine Nachto fort.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 875Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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