FeedHarzburg
ErdkundeBrockhaus 1882

Harzburg, Amt im braunschweig. Kreise Wolsenbüttel, zählt auf 125 qkm gegen 10000 C. und hat zum Hauptort Neustadt oder Neustadt-Harzburg, 9 km im Ostfüdosten von Goslar und 30 km im Süden von Wolfenbüttel, 235 müber dem Meere, am Endpunkt der Linie Wolfenbüttel-Börssum-H. der Braunschweigischen Eisenbahnen und am rechten Ufer der hier aus dem Harz in die Cbene tretenden Radau, eines Zuflusses der Ocker. Die Stadt ist Sitz eines Amtsgerichts, zählt mit den damit zusammenhängenden Orten Bündheim, Schulenrode und Schlewecke (1880) 4620 C. und besitzt das Solbad Juliushall, eine schone Bilten stalt mit Fichtennadelbad, zahlreiche schöne Villen, berühmte Steinbrüche im romantischen Radauthale und mehrere sehr elegante Gasthäuser. Seit Eröffnung der Eisenbahn ist H. eine Haupteingangspforte des Harzes im Norden, sowie ein beliebter Sommeraufenthalt und klimatischer Kurort geworden. Ungefähr 3 km südöstlich der Stadt liegt der Burgberg (474 m über dem Meere), auf welchem sich ein Gasthof und die geringen Reste der altberühmten H., sowie auf der Nordostseite das sog. Canossa-Denkmal, eine am 26. Aug. 1877 von Privatleuten errichtete 20 m hohe Granitsäule mit dem Medaillonporträt Bismarcks (von Engelhard) und der Inschrift: Nach Canossa gehen wir nichto 44. Mar des Reichskanzlers in der Rede vom 14. Mai 1872) befinden. Die Burg wurde von Kaiser Heinrich IV. zwischen 1065 und 1069 erbaut, 1074 von den empörten Sachsen, die sie als Zwingburg ansahen, nebst der Kirche zerstört, zwar w1076 vom Kaiser wiederhergestellt, aber 7—— vollendet, und von den Sachsen abermals zerstört. Von hier aus trat auch Heinrich IV. im Winter 1076/77 die Reise nach Canossa an. Kaiser riedrich I. baute die Burg als Reichsfeste und Kaiserschloß wieder auf, und bereits seit 1187 werden Grafen von Harzburg als Reichsdienstmannen genannt. Kaiser Otto IV., der hier am 19. Mai 1218 starb, stellte sie in seinem Testament als Ganzes dem Reich wieder zu, überließ aber einzelne Teile derselben nebst den zugehörigen Einkünften an einzelne adelige Geschlechter, namentlich die Grafen von Woldenberg, welche dann die meisten Anteile vereinigten und die vornehmsten erblichen Besitzer waren. Die Burg wurde seitdem wiederholt belagert, erobert und Aamdlich mae wechselte ihre Besitzer und gelangte endlich nach der Schlacht bei Mühlberg (1546) an das Haus Braunschweig. Der Dreißigjährige Krieg enthüllte die fernere Unbrauchbarkeit derselben, und es begann bereits 1650 deren Niederreißung, die 1654 mit der Burgkapelle endete. An der Stelle der Burg foll in der german. Vorzeit der Altar des Götzen Krodo gestanden haben. Vgl. Delius, «Untersuchungen über die Geschichte der H. (Halberst. 1826); Dommes, 4«H. und seine Umgebunge (Goslar 1862).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 878Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6