FeedHaspinger (Joachim Joh. Simon)
ReligionBrockhaus 1882

Haspinger (Joachim Joh. Simon), tiroler Patriot, geb. 28. Okt. 1776 zu St. Martin im Gsieß im Pusterthale, studierte seit 1793 in Bozen Philosophie, focht 1796 —99 mit den Scharen der tiroler Landesverteidigung gegen die Franzosen, studierte dann Philosophie und Medizin in Innsbruck und trat 4. Nov. 1802 zu Eppan bei Bozen in den Kapuzinerorden, wo er den Klosternamen Joachim annahm. Im J. 1805 erhielt er zu Meran die Priesterweihe. Beim Ausbruch des tiroler Freiheitskampfs im Frühjahr 1809 ging H. als Feldpater zur Armee, stellte sich aber bald nebst Hofer und Speckbacher an die Spitze des bewaffneten Landvolks, zeichnete sich bei Oberau, Werfen, Meran aus und trug namentlich zu dem auf dem Isel 13. Aug. 1809 gegen franz. und sächs. Truppen unter Lefebvre erfochtenen Siege wesentlich bei. Nach der Unterdrückung des Aufstandes wurde H. 1810 von Bayern geächtet, mußte im August Tirol verlassen, durchwanderte die Schweiz und Oberitalien und kam 31. Okt. nach Wien, ging 1813 als Kundschafter nach Oberitalien und er25te 1814 die einträgliche Pfarrei von Hietzing bei ien. H. trat damals aus dem Kapuzinerorden aus, zog jedoch unter seinem Klosternamen Joatschim im Frühjahr 1848 als Senidaer mit einer Studentenkompagnie (tiroler eldjäger) abermals mit ins Feld nach Italien, kehrte im Juli nach Wien zuruck, lebte bis 1854 in Döbling bei Wien, siedelte dann nach Salzburg über und starb dort 12. Jan. 1858. Seine Leiche wurde in Salzburg beerdigt, später aber auf kaiserl. Befehl nach Innsbruck gebracht und dort in der ofpfarrkirche (Franziskanerkirche) neben der Andreas Hofers bei-Hüboht. H. war ein religiöser Fanatiker von tollühnem Mut und hinreißender Beredsamkeit, dabei kaltblütig im Kampfe. Die Gegner fürchteten ihn mehr als die übrigen tiroler n Land denn seine Priesterstellung gab ihm bei dem Landvolke großen Einfluß. Vgl. Schallhammer, «Biographie des tiroler Heldenpriesters Joachim H.v (Salzb. 1856).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 888Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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