Haynau (Jul. Jak., Freiherr von), österr. Wihelm 1. p0t. jüngerer Sohn des Kurfürsten ilhelm I. von Hessen und der Frau von Lindenthet (geborene Rebekka Ritter, Tochter eines Apothekers zu Haynau in Schlesien), geb. 14. Okt. 1786 u Kassel, trat 1801 als Infanterieoffizier in österr. ienste und wohnte den Nordlinge von 1805 und 1809 bei, in denen er bei Nördlingen und Wagram verwundet wurde. Im J. 1813 wurde er Major und führte w1814 und 1815 ein von ihm selbst organisiertes leichtes Bataillon mit großem Geschick unter Feldmarschalllieutenant Bubna, wodurch sein Name sehr bekannt wurde. Im J. 1823 wurde er Oberstlieutenant, 1830 Oberst, 1835 Generalmajor, kam als Brigadier nach Italien, wurde 1844 zum Feldmarschalllieutenant und Divisionär in Innerösterreich ernannt und 1847 als Divisionär nach Temesvär versetzt. Beim Ausbruch des Kriegs in Italien 1848 bot H. freiwillig seine Dienste an und war namentlich im Juli und August thätig als Kommandant in Verona. H. schickte auf eigene Hand in der Nacht vom 24. auf den 25. Juli eine Brigade nach Sommacampagna, wodurch er viel zum Siege der Ssterreicher am 25. beitrug. Er übernahm hierauf den Befehl über ein Armeekorps. Ein glückliches Gefecht bei Lonato und die Eroberung von Peschiera vermehrten sein Ansehen. Mit der rücksichtslosesten Strenge hielt H. dann die Ruhe in Bergamo und Brescia aufrecht und unterwarf Ferrara. Als sich nach Wiederbeginn des Kriegs im März 1849 in Brescia der Aufstand erhob, den die Brigade Nugents nicht zu unterdrücken vermochte, brach H. rasch von Padua auf und schloß die Stadt ein. Es begann nun bei dem heftigen Widerstande der Insurgenten (31. März und 1. April) ein Kampf, welcher H. in den Ruf der Grausamkeit brachte. H. war bei der Belagerung von Venedig beschäftigt, als ihn ein kaiserl. Handschreiben nach Ungarn rief und ihm im Mai 1849 mit der Würde eines Feldzeugmeisters das dortige Oberkommando übertrug. Die Erstürmung von Raab, das Vorrücken nach Süden unter großen Schwierigkeiten des Landes und Klimas, die Besetzung von Szegedin (2. Aug.), die Kämpfe an der Theiß (9. Aug.), die Temesvär dem Sieger in die Hände lieferten, waren H.s Werk. Großes Aufsehen erregten die 6. Okt. in Pest und Arad an den hervorragendsten Führern der ungar. Revolution vollzogenen Hinrichtungen. Nach dem Kriege führte H. in Ungarn eine fast unbeschränkte Militärdiktatur. Sein Verfahren brachte ihn jedoch schließlich in Konflikt mit dem Ministerium, und er ward 6. Juli 1850 plötzlich seiner Vollmachten enthoben. H. zog sich seitdem ins Privatleben zurück und wählte Graz zu seinem Aufenthalt. Sein Name kam wieder in Erinnerung, als er im Sept. 1850 auf einer Reise zu London bei der Besichtigung der Brauerei von Barclay und Perkins von Brauerknechten mißhandelt wurde. Im Aug. 1852 unternahm er eine Reise nach Frankreich und Belgien, wo er abermals, namentlich zu Brüssel, die Ungunst des Volks erfuhr. Er starb zu Wien 14. März 1853. Vgl. Schönhals, «Biographie des k. k. Feldzeugmeisters Jul. Freiherrn von H.» (3. Aufl., Wien 1875). Wilhelm Karl, Freiherr von H., des vorigen älterer Bruder, geb. 24. Dez. 1779, kurhess. Generallieutenant, wurde 1847 in den Ruhestand versetzt. Als sich 1850 kein höherer Offizier fand, der den vom Ministerium Hassenpflug über das Land verhängten Belagerungszustand sowie die Maßregeln gegen das verfassungstreue Offizierkorps handhaben mochte, ernannte man H. 30. Sept. zum Oberbefehlshaber der Armee. Er war jedoch der Aufgabe nicht gewachsen und wurde wieder beseitigt. Er starb 21. Jan. 1856. Friedrich Wilhelm Karl Eduard, Frei—⸗ herr von H., des letztern Sohn, geb. 5. Dez. 1804 zu München, trat 22. Febr. 1850 als interimistischer Kriegsminister in das Ministerium Hassenpflug und wurde 1853 als Generalmajor zum Wirkl. Minister ernannt. Mit Hassenpflug mußte er 4. Okt. 1855 das Ministerium niederlegen; doch erfolgte dafür seine Beförderung zum Generallieutenant. Infolge eines Streites mit dem verabschiedeten Hauptmann Dürr, der ihm in der anonymen Broschüre «Staatsdiener und Staatsschwächen der Gegenwart» (Frankf. 1862) Feigheit vorgeworfen, schied H. 3. Jan. 1863 auch aus dem kurhess. Militärdienste. Bald darauf, 24. Jan., erschoß er sich.