Hebungen und Senkungen können sich an einzelnen Teilen der Erdkruste als säkulare, also außerordentlich langsame Niveauveränderungen geltend machen. Dieselben äußern sich der Natur der Sache nach am auffälligsten durch die Umgestaltung der Meeresufer. Werden Küstenstriche gehoben, so wachsen sie allmählich in die Breite, Hafenplätze werden landeinwärts geschoben, Korallen- und Austernbänke trocken gelegt, andere Ufer hingegen senken sich unter den Meeresspiegel, unter welchem Waldungen und Wohnstätten der Menschen verschwinden. An inden, steilen Küsten, welche sich in Hebung befinden, läßt der Ocean Strandlinien und Strandterrassen zurück, welche langsam bis zu einer Höhe von bis mehrern hundert Metern emporgehoben werden. An der norweg. Küste finden sich derartige Beweise für stattgehabte Hebungen in verschiedenen Niveaus übereinander bis zu 200 m Meereshöhe. Die schwedische Küste nördlich von Karlskrona steigt etwa 1,36 m im Jahrhundert. Auch Schottland ist von solchen alten Meeresterrassen umgürtet (raised beaches). Ahnliche säkulare Hebungen haben sich feststellen lassen: an den Küsten von Finland, Sicilien, des Roten Meers, Ceylons, Hinterindiens, an der Westküste von Süd- und Nordamerika, porweltlt u. a. Das Vorkommen von Resten vorweltlicher Meeresfaunen inmitten aller Kontinente und selbst in den höchsten Gebirgen beweist, daß diese einst vom Meer bedeckt waren und aus ihm emporgehoben worden sind. Als Kennzeichen von Senkungen sind zu betrachten: submarine Torfmoore und Wälder, vom Meere überspülte Straßenpflaster von Küstenorten, Landverlust an der Küste, Trichtermündungen von Flüssen. Danach befindet sich auch die deutsche Kuste der Ost- und Nordsee im Zustande der Senkung. Ein Teil Hollands, und zwar nicht weniger als 14 760 qkm, liegt bereits unter dem Niveau des Meers, dessen Eindringen nur durch künstliche Bauten abgehalten wird; wurde doch das Areal des Zuidersees erst im 13. Jahrh. von den Fluten bedeckt. Neuerdings hat man wiederholt versucht, die vermeintlichen Hebungen und Senkungen einzelner Teile der Erdoberfläche auf die Veränderlichkeit des Meeresspiegels zurückzuführen.