FeedLevkoie (Matthiola R. Br.)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Levkoie (Matthiola R. Br.), eine zur Hangender Kreuzblütler (Cruciferen) gehörige Pflanzengattung mit stielrunden oder zusammengedrückten Schoten und mit einer aus zwei aufrechten, aneinanderliegenden Platten bestehenden Narbe. Linné rechnete die ihr angehörigen Arten zur Gattung Cheiranthus, von der sie sich aber durch die Bildung der Schoten unterscheidet. Sie sind Kräuter oder Halbsträucher und in den Mittelmeerländern einheimisch, meistens mit weißlichen oder graulichen Sternhaaren überkleidet und mit gewöhnlich sehr angenehm duftenden Blumen in Trauben ausgestattet. Einige Arten spielen in der deutschen Blumistik eine große Rolle, insbesondere Matthiola annua 80., welche zum Teil schon im Ausgange des 18. und in den beiden ersten Decennien des 19. Jahrh. in verschiedene Formen und unzählige gefüllt blühende Farbenvarietäten ausgegangen ist. Die wichtigste ist die genannte Art, die Sommerlevkoie. In dieser ist ein großer Formenkreis zur Entwickelung gekommen: die englische und die halbenglische, jene mit dichtern, diese mit mehr lockern Blütentrauben; die immerblühende, durch reichere Verästelung des Blütenstandes, kleinere Blütentrauben und einen länger dauernden Flor unterschieden; die Zwerg-Bouquetlevkoie, durch niedrigen Wuchs und reichere Infloreszenz ausgezeichnet; die Pyramidenlevkoie, durch sehr kräftigen Wuchs und reiche pyramidale Derätelung des Blütenstandes, in mehrern Unterformen, wie die Baumlevkoie, gegen 60 em hoch, mit reicher Ipramidenn der Hauptblütenachse, und die Zwergpyramidenlevkoie, von sehr niedrigem und gedrungenem Wuchse. Eine Unterart der Sommerlevkoie ist M. graeca 80., die glattblätterige L., gewöhnlich Sommerlevkoie mit Lackblatt genannt, außer dem im Namen ausgedrückten Merkmal durch besondere Frische der Blütenfarben charakterisiert. Alle diese Formen haben auch eine Unterform mit größern Blumen (großblumige Sommerlevkoie). Aus einer geschlechtlichen Vermischung der Sommerlevkoie mit der Winterlevkoie sind mehrere zweijährige Blendlingsformen hervorgegangen: die Herbstlevkoie von kräftigem, ziemlich dichtem, pyramidal verästeltem Wuchs und mit verzweigten dichten Trauben großer Blumen, und die Kaiserlevkoie, 30—35 em hoch, mit zahlreichen, etwas kurzen, kompakten und gewöhnlich gleichlangen Blütenzweigen. Bei der letztern bilden sich die Blüten zwar schon im Herbst vor, kommen aber erst im Winter in erwärmten Räumen oder im nächsten Frühjahr zur vollen Entwickelung. Die Winterlevkoie (M. incana K. Br.) ist strauchartig und zweijährig, unter Umständen perennierend, 50— 60 em hoch und hat aufrechte, zahlreiche Nebenzweige mit dichten, kurzen, dicken Blütentrauben; die Zweige verästeln sich in einer längern Folge, sodaß der Flor bis in den Sommer hinein sich verlängert. Eine vierte Art ist die Stangenlevkoie (M. fenestralis R. Br.), etwas niedriger als die vorige, mit mehr oder weniger glockigen Blättern, hauptsächlich ausgezeichnet durch die kräftige Entwickelung der Hauptachse der Infloreszenz, welche meistens weit über die Seitenzweige hinausgeht. Alle diese und noch andere Formen haben eine größere Anzahl von Farbenvarietäten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 43Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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