FeedLiebesmahl
ReligionBrockhaus 1882

Liebesmahl oder Agäp' hieß in der ersten christl. Kirche die gemeinsame Abendmahlzeit. Dergleichen gemeinsame Mahle mit religiöser Beziehung waren bei den Juden nichts Ungewöhnliches und finden sich auch bei den Essenern (s. d.) und den pharisäischen Genossenschaften. Bei der ersten Messiasgemeinde führte der Glaube an den Gekreuzigten, dessen baldige Wiederkunft auf des Himmels Wolken man erwartete, ganz von selbst darauf, das Gedächtnis seines letzten Mahls, bei welchem er in sinnbildlicher Handlung seinen Leib und sein Blut als ein für die Seinen geopfertes Nahld bezeichnet hatte, bei jeder gemeinsamen ahlzeit zu erneuen. Die Bezeichnung der Mahlzeit als L. war ein Ausdruck der brüderlichen Gemeinschaft, durch welche sich alle Gemeindeglieder verbunden wußten. Wie es scheint, gaben diese gemeinsamen Mahle, bei denen die vermögendern Gemeindeglieder für Speise und Trank sorgten, den Anlaß zu den idealen Schilderungen völliger Gütergemeinschaft, welche die Apostelgeschichte enthält, aber auch zu böswilligen Verdächtigungen dieser Zusammenkünfte von seiten der Juden. Schon im 2. Jahrh., als die Zahl der Christen sich vermehrte und die Vorstellungen von dem Genusse des Leibes und Blutes Jesu immer mysteriöser wurden, sah man sich genötigt, die L. von der Feier des Heiligen Abendmahls (.. d.), zu trennen. Das L. artete dann im 3. und 4. Jahrh. in ein gewöhnliches Gastmahl aus, welches Familien bei dem Tode ihrer Angehörigen, Gemeinden an den Jahrestagen ihrer Märtyrer anzustellen pflegten und bei welchem Geistliche und Arme gewöhnlich Gäste waren. Infolge der eingerissenen Mißbräuche wurde den Geistlichen die Teilnahme an den L. verboten und seit Mitte des 4. Jahrh. die Abhaltung derselben in den Kirchen völlig untersagt. Um 392 bestanden sie fast in dem größten Teile des Abendlandes nicht mehr. Augustin setzte ihre Abschaffung in Afrika auf dem Konzil zu Hippo (395) durch; doch mußten noch späterhin Synoden, B. zu Orléans 536 und zu Konstantinopel 692, die Unterlassung jener Gastmähler einschärfen. Die Brüdergemeine ben die L. erneuert und 965 sie bei feierlichen Gelegeneiten unter Gesang und Gebet mit Thee und Weizenbrot (Liebesbrot) in ihren Versammlungssälen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 63Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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