Lima, Hauptstadt der südamerik. Republik Peru und früher des gleichnamigen span. Vizekönigreichs, liegt 15 Km von der Südsee 136 m hoch, vom Rio Rimac durchflossen, auf der sanft am Meere aufsteigenden, wenig fruchtbaren Ebene, welche amphitheatralisch von Zweigen der Cordillera umfaßt wird. Der obere Teil ist mit einer Backsteinmauer umgeben, durch welche sieben Thore führen. über den Rimac führen zwei prachtvolle Steinbrücken, eine nach der Vorstadt San-Lazaro. Die Stadt ist regelmäßig gebaut und hat rechtwinkelig sich schneidende, zum Teil mit Kanälen versehene, mit Gas erleuchtete, aber schmutzige Straßen. Die Häuser, aus Holz und Backstein oder Lehm erbaut, sind größtenteils nur einstöckig mit flachen Dächern, aber vielfach von weitem Umfange. Durch 27 Brunnen und eine große Fontäne, sowie seit 1857 durch eine Wasserleitung wird die Stadt mit Trinkwasser gut versorgt. L. hat 33 größere und kleinere Plätze, darunter den großen Hauptplatz, jetzt auch Plaza de Armas genannt, welcher von der Kathedrale, öffentlichen Palästen, Privatgebäuden und Arkaden umgeben und in der Mitte mit einem großartigen Springbrunnen versehen ist. Die Kathedrale, 1535 von Francisco Pizarro gegründet, ist ein großes und schönes Gebäude im Renaissancestil. Außerdem besitzt die Stadt noch 67 Kirchen und Kapellen. Unter den 13 Nonnen- und den ehemaligen Mönchsklöstern ist das größte das der Franziskaner, das schönste das der Dominikaner. Von den übrigen öffentlichen Gebäuden sind zu bemerken: die 1576 erbaute Universität mit dem Sitzungssaale der Deputierten, dem Sekretariat und Archiv des Kongresses und dem Versammlungssaal der Medizinischen Gesellschaft; das weitläufige, 1565 gegründete Münzgebäude, zugleich Berggericht, das alte Zollhaus, jetzt in eine Normalschule umgebaut, das ehemalige Jesuitenkollegium und vor allem das prachtvolle Strafgefängnis, welches 1856—63 erbaut und nach nordamerik. Muster eingerichtet ist, das neue Strafgefängnis, der 102 m lange Matadero oder Camal (Bazar), der Ausstellungspalast, das Pantheon (Begräbnisstätte). An öffentlichen Denkmalen hat die Stadt eine in München aus Bronze gegossene Reiterstatue Bolivars und die in Italien gearbeitete Marmorstatue des Columbus. L. zählte 1820 (vor der Revolution) 64000, 1830 nur 54518, dagegen 1876 schon 101 488 E. Die Zahl der Weißen, Creolen und Fremden beträgt kaum ein Viertel der Bevölkerung; ein Viertel bilden Neger, den Rest Indianer und Mischlinge. Die Weißen sind überwiegend Kaufleute, Grund⸗ und Grubenbesitzer, Beamte, Gelehrte, Künstler u. s. w. Der Großhandel und selbst das Detailgeschäft befinden sich ganz in den Händen der Fremden (Franzosen, Italiener, Engländer und Deutsche). L. ist der Sitz der Regierung, des Erzbischofs und des höchsten Gerichtshofs von Peru, sowie eines Obergerichts für mehrere Departements. Es gilt immer noch als die reichste Stadt im ganzen span. Südamerika und bildet einen der bedeutendern Mittelpunkte für den Handel Perus, der jährlich für etwa 10 Mill. Pesos fremde Waren einführt, von denen der größte Teil (etwa 8 Mill.) in der Stadt selbst konsumiert wird. Dagegen besteht die Ausfuhr nur aus Metallen und wenigen landwirtschaftlichen Produkten. Ihr Hafen ist Callao (s. d.), durch den sie mit allen Häfen der Südsee und Europas in Verbindung steht. Die wissenschaftlichen Institute L.s sind wenig zahlreich und nicht ausgezeichnet. Die Universität San-Marcos, 1551 von Kaiser Karl V. errichtet, nach ihrer Reform von 1614 die berühmteste Amerikas, kann fast als aufgehoben gelten. Außerdem bestehen: die 1810 gestiftete mediz. Schule mit 17 Professoren, eine der besten in Südamerika; für das Studium der Theologie seit 1591 das erzbischöfl. Seminar von Santo-Toribio (ein Franziskanerkloster). Auch wurde 1864 von der Regierung ein Institut für Künste und Gewerbe eröffnet. Außerdem gibt es eine Normalschule, eine Militärschule, eine Entbindungsanstalt, eine Mittelschule und etwa 40 gewöhnliche, teils Privat⸗, teils öffentliche Schulen. Von den Bibliotheken ist nur die Nationalbibliothek (mit dem Nationalmuseum für peruan. Altertümer und Naturalien) bedeutend. Zahlreich und zum Teil großartig sind die noch aus früherer Zeit bestehenden Wohlthätigkeitsanstalten, darunter ein Findel⸗ und Waisenhaus, eine Irrenanstalt, mehrere Hospitäler und Hospize u. s. w. Trotz der Bigoterie lebt die Bevölkerung sehr verschwenderisch und genußsüchtig. Hauptvergnügungen sind die vielen kirchlichen Feste, die Stiergefechte in einem Cirkus, der 9000 Zuschauer faßt, das Theater, die Hahnenkämpfe in dem Circo de Gallos, sowie die Corsos auf den Promenaden. L. wurde 1535 von Francisco Pizarro unter dem Namen Ciudad de los Reyes gegründet und erhielt erst später seinen jetzgen Namen von dem Flusse Rimac. L. hatte 1582—1828 mehr als 20mal bedeutende Erdbeben zu bestehen; leichtere Erderschütterungen zählt man durchschnittlich acht im Jahre. Am furchtbarsten war das Erdbeben vom 28. Okt. 1746, wo von den 60000 E. gegen 5000 unter den Trümmern begraben wurden. Dagegen hat das große Erdbeben vom 13. Aug. 1868 in L. nur wenig Schaden angerichtet. L. wurde nach dreitägigen Kämpfen bei Lurin (12. Jan.), Chorrillos (13. Jan.) und Miraflores (14. Jan.) 17. Jan. 1881 von den Chilenen besetzt. Fünf Eisenbahnen gehen jetzt von L. aus: eine 6kmelange nach Magdalena-Nueva; eine, 14 kmelang, nach Callao, seit 1851; eine dritte, 14 km weit, nach dem hauptsächlich des Hazardspiels wegen besuchten vornehmen Seebade Chorrillos, seit w1859; eine vierte führt 66 kEm weit nach Chancay; und von der großen Bahn von Callas nach Oroya (352 km) waren 1877 schon 156 km im Betrieb. Konzessioniert ist eine sechste Linie nach dem südl. Hafenorte Pisco (233 km). Nach Valparaiso geht ein submarines Kabel. Vgl. Fuentes, L., esquisses historiques, statistiques etc.„ (Par. 1866).