FeedLingen
GeschichteBrockhaus 1882

Lingen, Grafschaft im ehemaligen westfäl. Kreise, die in die obere und in die niedere Grafschaft zerfällt. Jene gehört zum Kreise Tecklenburg des preuß. Regierungsbezirks Münster; diese, 330 gkm, zum Kreis L. der preuß. Landdrostei Osnabrück. Die Grafschaft bildete früher einen Bestandteil der Grafschaft Tecklenburg (s. d./ und wurde gewöhnlich als sog. Herrlichkeit den Nebenlinien des gräfl. Hauses zuteil, bis sie, infolge des Beitritts ihres Besitzers zum Schmalkaldischen Bund und der Achterklärung desselben, durch Kaiser Karl V. als eröffnetes Reichslehn eingezogen und 1548 dem Grafen Maximilian von Büren in Lehn gegeben wurde. Die Vormünder der einzigen hinterlassenen Tochter des Grafen von Büren, die sich nachmals an den Prinzen Wilhelm I. von Nassau-Oranien vermählte, verkauften die Grafschaft wieder an Karl V., der sie nun 1555 samt Burgund seinem Sohne Philipp II., König von Spanien, überließ, welcher auch im Besitz blieb, bis Prinz Moritz von Nassau-Oranien sich mit Gewalt ihrer bemächtigte. Nach dem Tode Wilhelms III. von England erbte sie der König von Preußen, der sie wieder mit Tecklenburg vereinigte; 1809 wurde sie zum Großherzogtum Berg geschlagen und 1810 mit Frankreich vereinigt, 1814 wieder an Preußen zurückgegeben, das 1815 die niedere Grafschaft an Hannover abtrat, mit dem sie 1866 wieder an Preußen kam. Die Kreisstadt Lingen in der Landdrostei Osnabrück der preuß. Provinz Hannover liegt an der Ems, am Emskanal, der von hier nach Meppen führt, und an der Linie Soest-Emden der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts und einer Handelskammer, hat ein Gymnasium mit. höherer Bürgerschule an Stelle der 1819 aufgehobenen Akademie, eine Strafanstalt für weibliche Gefangene und zählt (1880) 5825 meist kath. CE., welche eine Eisengießerei mit Maschinenfabrik und eine Eisenbahnreparaturwerkstätte unterhalten und bedeutenden Holz⸗ und Viehhandel treiben. Der Kreis Lingen zählt (1880) auf 1714 qkm 60 390 meist kath. E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 91Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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