Linum L., Pflanzengattung aus der nach ihr benannten Familie der Lineen. Man kennt gegen 80 Arten, die meist in den wärmern Gegenden der gemäßigten Zone vorkommen. Es sind größtenteils krautartige Gewächse mit alternierenden schmalen ganzrandigen Blättern. Die Blüten sind zu sehr verschiedenartigen Infloreszenzen vereinigt, sie bestehen aus fünf Kelchblättern, ebensoviel meist leicht abfallenden Blumenblättern, fünf normal entwickelten, fünf rudimentären (sog. Staminodien) Staubgefäßen und einem fünffächerigen Fruchtknoten, dem fünf in der Regel miteinander verwachsene Griffel aufsitzen. Die Frucht ist eine fünffächerige Kapsel. Die bekannteste Art ist der gewöhnliche Lein oder Flachs (L. usitatissimum L.), welcher als eine wichtige Kulturpflanze in zweierlei Weise für die Industrie Bedeutung hat: aus dem Stengel werden, wie allgemein bekannt, die Bastfasern zur Herstellung von Geweben benutzt (Näheres s. unter Flachsspinnerei), und aus den Samen wird durch Auspressen das vielfache Anwendung findende Leinöl gewonnen. Die Heimat der Leinpflanze ist nicht mit Sicherheit anzugeben, am wahrscheinlichsten ist es, daß schon in sehr früher Zeit eine Einführung derselben vom Orient aus stattgefunden hat. In den Pfahlbauten der Schweiz hat man schon sichere Belege für die Kultur des Flachses und dessen Verarbeitung aufgefunden. Zur Zeit sind mehrere Varietäten vorhanden, die als durch die Kultur entstanden betrachtet werden müssen. Man unterscheidet vor allem den Schließ- oder Dreschlein undden Klang-oder Springlein; der erstere hat höhere kräftigere Stengel und Kapseln, die bei der Reife geschlossen bleiben, der andere ist niedriger und ästiger, seine Blüten und Kapseln sind größer und die letztern springen bei der Reife auf. Die Farbe der Blüten ist bei beiden blau. (Abbildung auf Tafel: Industriepflanzen 1, 4.) Die Samen (Leinsamen), als Semina Lini offizinell, sind länglich, flachzusammengedrückt, zweischneidig, hellbraun, glänzend glatt. Ihre äußern Zellenschichten enthalten ein im Wasser stark aufquellendes Gewebe, weshalb man sie gekocht zu breiigen Umschlägen und ihren Schleim auch innerlich als einhüllendes Mittel verwendet. Zu Umschlägen wird noch häufiger das durch Mahlen der Samen bereitete Leinmehl, Farina Lini, benutzt. (Vgl. Leinkuchen.) Das durch Auspressen der Samen gewonnene Leinöl 6 d.), welches man frisch in manchen Gegenden (3. B. in der Lausitz) als Buttersurrogat zu Brot ißt, wird zur Herstellung von verschiedenen Firnissen verwendet. Auf Wiesen wächst eine kleine Art mit gabelteiligen Stengeln und weißen, im Grunde gelben Blümchen häufig wild, der Purgierlein, L. catharticum V., dessen Kraut unangenehm salzig schmeckt und abführend wirkt. Das Kraut war früher offizinell. Einige Arten werden ihrer größern und lebhaft gefärbten Blüten halber in Gärten vielfach gezogen, so z. B. mehrere Varietäten der in Mitteleuropa einheimischen L. Perenne L. und L. flavum L.