FeedLippi (Fra Filippo)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Lippi (Fra Filippo), vorzüglicher Maler des 15. Jahrh., wurde wahrscheinlich 1402 zu Florenz geboren. Frühzeitig verwaist, trat er in den Orden der Karmeliter ein, in deren Kirche er die vollkommensten Malereien jener Zeit, die Fresken Masaccios, entstehen sah. Aus seinem Leben wird mancher romanhafte Zug erzählt. Er soll Seeräubern in die Hände gefallen sein, die ihm aus Achtung vor seiner Kunst Leben und Freiheit schenkten, gelangte dann zu geistlichen Amtern und entführte als Kaplan eines Nonnenklosters in Prato eine Nonne, Spinetta Buti, die er häufig als Madonna porträtierte. Die Bilder aus seiner Jugend, deren schönste in Florenz und Berlin bewahrt werden, erinnern durch zarten Ausdruck und Farbenbehandlung an die Werke Fiesoles. Seine Thätigkeit beschränkte sich nicht auf Florenz und Toscana. Er malte in Padua, schickte auch Bilder nach Rom und Neapel. Hervorragende Werke sind seine Fresken in Prato (Legende Johannes' des Täufers und des heil. Stephanus) und Spoleto (Leben der Jungfrau Maria). Noch bevor er die letztern vollenden konnte, starb er 9. Okt. 1469. Die Stadt Spoleto weigerte sich, den Leichnam des berühmten Malers herauszugeben, weil sie nicht wie seine Heimat Florenz Überfluß an Berühmtheiten habe. Lorenzo von Medici wetteiferte mit den Spoletanern in der Ausschmückung seines Grabes in der dortigen Kathedrale. Außerhalb Italiens sind Bilder von ihm scultori ed architettorio (neue — — Flor. 1878 der Lippequelle und, wie diese, mit großer Wasser⸗= fülle aus der Erde hervorbricht. Früher waren beide Quellen zu einem Teiche vereinigt; jetzt sind sie gesondert. Die warme Quelle wurde erst 1832 entdeckt, gelangte aber schnell zu einem ausgebreiteten Rufe, sodaß L. jetzt zu den besuchtesten Badeorten gehört und namentlich in Bezug auf die Heilwirkungen des Wassers gegen Brustleiden mit Ems und Salzbrunn rivalisiert. Die Hauptbestandteile des Wassers sind schwefelsaures Natron, schwefel⸗ und kohlensaurer Kalk und viel Stickgas. Das Kurhaus enthält außer Bädern auch eine Trinkhalle und einen Inhalationssaal zum Einatmen des Stickgases. Die alte Burg, deren Trümmer aus den neuen Häusern des Ortes hervorragen, war einst im Besitz der Tempelherren, später des Domkapitels von Paderborn, verfiel nach dem Dreißigjährigen Kriege und wurde nach der Französischen Revolution völlig Ruine. Vgl. Dammann, „(Der Kurort L.» (3. Aufl., Paderb. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 103Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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