FeedLönyah
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Lönyah (Melchior, Graf von Nagy-Lönya und Väsäros-Nameny), ungar. Staatsmann, geb. 6. Jan. 1822, studierte in Pest und wurde 1843 vom Beregher Komitat in den Landtag gewählt, wo er sich der Oppositionspartei anschloß. Er bekleidete im ersten ungar. Ministerium unter Kossuth die Stellung eines Unterstaatssekretärs im Finanzministerium, wurde nach Niederwerfung der nationalen Bewegung flüchtig und hielt sich dann meist in London und Paris auf. Infolge einer Spezialamnestie kehrte er 1850 nach Ungarn zurück, wurde jedoch vorläufig auf seinen Gütern interniert. Nach Aufhebung der Internierung widmete er sich wirtschaftlicher Thätigkeit, förderte das Unternehmen der Theißregulierung, organisierte die landwirtschaftlichen Provinzialvereine und spielte bei der Gründung der meisten Kreditinstitute Ungarns eine hervorragende Rolle. Auf dem Reichstage von 1865 war L. Mitglied der Siebenundsechziger-Kommission und des engern Fünfzehner-Ausschusses, welche den Plan des Ausgleichs ausarbeiteten. In dem Ministerium Andrässy vom 20. Febr. 1867 erhielt L. das Portefeuille der Finanzen und übernahm 21. Mai 1870 dasselbe Portefeuille im gemeinsamen Reichsministerium. Im Sommer 1870wurde L. in den Grafenstand erhoben und 16. Nov. 1871 Ministerpräsident von Ungarn, konnte sich aber gegen die Opposition der Linken nicht halten und trat Ende Nov. 1872 zurück. L. bekleidete auch das Amt eines Präsidenten der ungar. Gelehrtenakademie. Er starb 3. Nov. 1884. L. veröffentlichte (in ungar. Sprache) namentlich: «Neuere nationalökonomische Arbeiteno (Pest 1863), Reden, gehalten im Reichstage 1861—729 (Pest 1873), «Ansichten über die Finanzen Ungarnsv (Pest 1873)/ (Die Bankfrager (deutsch von Dux, Budapest 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 175Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Handwerk & Gewerbe 6