Lothar III., der Sachse, Graf von Syplinburg, Herzog der Sachsen und 1125—37 König der Deutschen und röm. Kaiser, war in Beziehung auf seine karolingischen Vorgänger der dritte, als Kaiser der zweite dieses Namens. Von Kaiser Heinrich V. nach des Herzogs Magnus Tode 1106 mit dem Herzogtum Sachsen beliehen, schloß er sich später an die mit den Gewaltschritten dieses Kaisers unzufriedenen Fürsten an, erhielt nach der Schlacht bei Warenstädt Verzeihung, nahm aber aufs neue an dem Kampfe gegen Heinrich V. beim Welfesholze teil und verbreitete hierauf seine siegreichen Waffen über ganz Westfalen bis an den Rhein. Nach Heinrichs V. Tode wurde er, um den Herzog Friedrich von Schwaben, Heinrichs IV. Enkel, von der Nachfolge zu verdrängen, mit Unterlassung der gesetzlichen Form durch Überraschung von der klerikalen Partei unter Führung des Erzbischofs Adalbert von Mainz 30. Aug. 1125 zum König gewählt. Welche Versprechungen er damals gemacht hat, ist ungewiß; jedenfalls handhabte er „später die Investitur der Bischöfe wie sein Vorgänger auf Grund des Wormser Konkordats und regierte, durch persönliche Tüchtigkeit und bedeutende Hausmacht unterstützt, mit kräftiger Hand. Mit den Hohenstaufen, den Allodialerben Heinrichs V., kam er bald in Streitigkeiten, da er die Reichsgüter ihnen abforderte, und griff 1126 Herzog Friedrich an. Zugleich suchte sich L. durch eine Verbindung mit dem welfischen Hause zu stärken, indem er seine 11jährige Tochter Gertrud, die einzige Erbin der suplinburg., nordheim. und altbraunschw. Allodialgüter, mit Heinrich dem Stolzen, Herzog von Bayern, vermählte und demselben das Herzogtum Sachsen verlieh. Seitdem begann der verderbliche Kampf zwischen den Welfen und den Hohenstaufen (s. d.). Friedrichs Bruder, Konrad, der in Mailand zum König gekrönt war, konnte sich nicht gegen ihn behaupten. Glucklicher noch als gegen die Hohenstaufen war L. in seinen andern Unternehmungen. Er machte bei Gelegenheit des böhm. Erbfolgestreits nach Wladislaws J. Tode 1126 den Herzog von Böhmen sowie den Herzog von Polen zu Vasallen, belehnte den Grafen Konrad von Wettin mit der Markgrafschaft Meißen und setzte den Herzog Konrad von Zähringen in die erledigte Grafschaft Burgund ein. Auch nahm er dem Landgrafen Hermann Thüringen und gab es einem seiner Anhänger, dem Grafen Ludwig. Zudem verlieh er das obotritische Königreich nach dem Tode des Wendenkönigs Heinrich an den Dänenfürsten Knut und zwang dessen Vetter Magnus, der nach Knuts Ermordung sich des Reichs bemächtigt hatte, die Belehnung von ihm zu empfangen. Bei der streitigen Papstwahl zwischen Innocenz II. und Anaklet II. entschied sich L. für den erstern, führte ihn nach Rom zurück, und wurde von ihm mit seiner Gemahlin Richenza, der Tochter Heinrichs des Fetten, Grafen von Nordheim, 4. Juni 1133 zum Kaiser gekrönt. Auch empfing er aus der Hand des Papstes die Mathildischen Erbgüter zu Lehn, ein Akt, dem die Kirche später die Deutung gab, als ob L. von dem Papste mit dem Kaisertume belehnt worden sei. Indes schon auf diesem Zuge trat er diese Güter nebst den ehemaligen Mathildischen Reichslehnen mit Genehmigung des Papstes seinem Eidam, Heinrich von Bayern, ab, und im Lager von Monza belehnte er 1132 Albrecht den Bären mit der Nordmark, welche derselbe zur Markgrafschaft Brandenburg erweiterte. Nach der Rückkehr nach Deutschland vollendete L. die Besiegung der Hohenstaufen, worauf er ihnen die streitigen Güter als Lehn zurückgab. Unterdessen hatte Roger von Sicilien, Anaklets Beschützer, den Papst Innocenz zur Flucht genötigt und die Städte Salerno, Melfi, Troja, Capua und Benevent bezwungen. Auf des Papstes Bitten unternahm L. zu dessen Schutze im Aug. 1136 einen zweiten Zug nach Süditalien, auf welchem ihn auch Konrad der Hohenstaufe begleitete. Ohne große Mühe vertrieb er Roger aus Neapel nach Sicilien, belieh mit Innocenz gemeinschaftlich den Fürsten Rainulf mit dem Herzogtum Calabrien und Apulien und kehrte dann nach Deutschland zurück. Witen Aid ereilte ihn der Tod unweit Trient in einer Alpenhütte 3. Dez. 1137. Er wurde zu Königslutter im Braunschweigischen, das er gegründet, begraben. L. besaß persönliche Tapferkeit und männlichen 0516 N und hat auch der Kirche gegenüber das kaiserl. Ansehen und die Würde des Reichs mehr aufrecht erhalten, als man früher meinte. Nach seinem Tode wurde Konrad III. d.) von Hohenstaufen zum deutschen Könige gewählt. Vgl. Gervais, «Polit. Geschichte Deutschlands unter der Regierung der Kaiser Heinrich V. und schichte des Deutschen Reichs unter L. dem Sachseno (Berl. 1843); Bernheim, «L. und das Wormser Konkordato (Straßb. 1874); Mühlbacher, «Die streitige Papstwahl des Jahres 1130 (Innsbr. Giesebrecht, «Geschichte der deutschen Kaiserzeito (Bd. 4, 2. Aufl., Braunschw. 1878).