Löwen (frz. Louvain), Stadt in der belg. Provinz Brabant, an der Dyle und an einem Kanal aus derselben in den Rupel, wodurch sie mit Mecheln und der Schelde in Verbindung steht, an der Linie Brüssel-Herbesthal der Belgischen Staatsbahn, die 90 nach Mecheln abzweigt, sowie an der Linie Aerschot-Charleroi der Belgischen Centralbahn, hat über 7 km im Umfange, ist aber ein sehr stiller Ort, indem ein großer Teil ihres Gebiets innerhalb der im 14. Jahrh. erbauten Stadtmauern landwirtschaftlichen Zwecken dient. Größeres Leben herrscht nur an und bei dem Markte, wo sich auch die Hauptgebäude befinden. Dahin gehören das Rathaus, eins der schönsten Gebäude im spätern got. Stile, vollendet 1463, mit reicher Bildhauerarbeit, im Innern aber modern, und die Peterskirche, im schönsten got. Stil 1425 —97 erbaut, mit in Holz geschnitztem Hauptportal und herrlichen Gemälden und andern Kunstwerken. Merkwürdig sind noch das alte Zunfthaus der Brauer (Maison des brasseurs), im Renaissancestil, und in einer Seitenstraße am Markte die Hallen, die, 1317 von der Weberzunft erbaut, 1679 aber der Universität überlassen, noch gegenwärtig von dem Reichtum und Geschmack ihrer Gründer zeugen. Auch die übrigen Kirchen in L. sind im Besitze wertvoller Bilder. Die Zahl der Einwohner belief sich Ende 1882 auf 36813. Die von Herzog Johann IV. von Brabant 1426 gestiftete Universität mit einer beträchtlichen Bibliothek, einem botan. Garten und einem anatom. Theater galt im 16. Jahrh. für die erste in Europa. Nachdem sie unter Kaiser Joseph II. einige Zeit gehemmt gewesen und infolge des franz. Revolutionskriegs eingegangen war, wurde sie unter der holländ. Regierung 1817 wiederhergestellt. Das philos. Kollegium an derselben, welches der König Wilhelm 1. für die Bildung kath. Geistlichen errichtet hatte, und das zum Widerstande der belg. Geistlichkeit gegen die holländ. Regierung den Hauptanlaß bot, mußte 1830 wieder aufgehoben werden, da die Bischöfe sich weigerten, die Zöglinge in ihre Seminarien aufzunehmen oder sie als Priester anzustellen. Vom Staate wurde die Universität 1834 aufgegeben, von der Geistlichkeit jedoch wieder 1835 aus eigenen Mitteln errichtet. Sie ist sonach eine freie Universität, wie die zu Brüssel, wird aber im Gegensatze zu dieser gewöhnlich die katholische genannt. Sie zählte 1883, mit Inbegriff der mit ihr verbundenen polytechnischen Schule, 1554 Studierende. Außerdem besitzt L. ein königl. Gymnasium, eine Kunstakademie nebst Museum und ein musterhaftes Zellengefängnis. Um 942 ward L. mit Inbegriff von Brüssel, Vilvoorden, Nivelles und andern Ortschaften unter Lambert I. zu einer Grafschaft erhoben; 1165 wurde die Stadt mit Mauern umgeben und gegen 1361 bedeutend vergrößert. Der Graf von L., Heinrich IV., nahm den Titel Graf von Brabant an, der 1190 in den eines Herzogs verwandelt wurde. Zu Anfange des 14. Jahrh., wo L. als Hauptstadt des Herzogtums Brabant und als Residenz 44000 E. zählte, hatte es gegen 2000 Tuchmanufakturen. Erbittert gegen den Adel, erhoben sich 1378, wie in andern Städten Flanderns, die Tuchweber zu offenem Aufstande. Durch den Herzog Wenzel jedoch überwältigt, wanderten viele der Arbeiter aus der nun hart bedrängten Stadt nach England aus. Von dieser Zeit an begann der Verfall L.s. Als besonders wichtig sind gegenwärtig noch hervorzuheben die Bierbrauereien, zahlreiche Getreidemühlen, einige Tabaks- und Spitzenfabriken, Töpfereien, Branntweinbrennereien und Salzsiedereien. Auch wird noch beträchtlicher Getreidehandel getrieben. Vgl. Molanus, «Historia Lovaniensiso (herausg. von de Ram, 2 Bde., Brüss.