Mecheln (frz. Malines), Stadt in der belg. Provinz Antwerpen, an der Dyle und an der Belgischen Staatsbahn Brüssel-Antwerpen, welche hier nach Löwen, Schellebelle und Terneuzen abzweigt, früher der Sitz des höchsten Gerichts der Osterreichischen Niederlande, noch gegenwärtig der Sitz eines Erzbischofs (des Primas von Belgien), zählt (1882) 44 749 E. Sie hat ansehnliche öffentliche Plätze, darunter den sog. Großen Platz mit dem 1849 errichteten Denkmal Margaretens von Osterreich, breite und regelmäßige Gassen, große palastartige Gebäude, aber es fehlt an Leben. Die bedeutendsten Gebäude sind die Kathedrale des Heiligen Romuald, aus dem 12. bis 15. Jahrh., mit 99 m hohem Turme und herrlichen Gemälden im Innern; ferner die Johanniskirche und die Liebfrauenkirche mit einigen Gemälden von Rubens; das Stadthaus, der Bayard genannt, aus dem 15. Jahrh., und der moderne erzbischöfl. Palast. Die Stadt hat zwei erzbischöfl. Seminare, ein hohes und ein niederes, ein städtisches Gymnasium, einen botan. Garten, eine Malerakademie, eine Kupferschmelze, eine Stückgießerei, wichtige Manufakturen in Spitzen, Hüten, Wollwaren, Teppichen, Möbelfabriken und bedeutende Flachs- und Hanfspinnerei. Auch ist M. der Centralpunkt der königl. Cisenbahnwerkstätten. — M.oder, wie es im Mittelalter hieß, Machlinia oder Malinas, kam von den fränk. Königen an Lothringen und im Anfange des 10. Jahrh. an die Bischöfe von Lüttich, in deren Namen es bis 1333 von der Familie Berthond verwaltet wurde. Nach dem Erlöschen derselben ward die Herrschaft M. 1336 zwischen dem Herzog von Brabant, dessen Oberhoheit sie schon seit dem 11. Jahrh. untergeben gewesen, und dem Grafen von Flandern verteilt. Diese Gemeinschaft wurde 1346 vertragsmäßig zu Gunsten Brabants aufgehoben. Mit Margarete, der Enkelin der beiden Fürsten und Gemahlin Philipps des Kühnen von Burgund, fiel die Herrschaft an das Haus Burgund.