Lucianus (grch. Lukianos), der geistreichste unter den spätern griech. adt der iur. wurde zu Samosata, der Hauptstadt der syr. Landschaft Kommagene am Euphrat, wahrscheinlich zwischen 120 — 130 n. Chr. geboren. Nachdem er einige ahre in Jonien namentlich Rhetorik betrieben tte, kehrte er in sein Vaterland zurück und trat als Sachwalter in Antiochien auf. Bald aber beab er sich auf Reisen, hielt in Asien, Griechenland, Italien und Gallien öffentliche Vorträge und ließ sich dann dauernd in Athen nieder. vorgerückten Alter übernahm er eine öffentliche Anstellung bei der Justiz in der Provinz Agypten und machte nochmals eine Reise, auf der er öffentliche Vorträge hielt. In seinen zahlreichen Schriften erzählender, philosophischer, rhetorischer und satirischer Art, denen er meistens eine ihm eigentümliche kunstvolle dialogische Form gegeben hat, sucht L. in einer einfachen, reinen und dem besten Attizismus glücklich nachgebildeten Sprache frei und unbefangen, mit unerschöpflicher Laune und feinem Witz, die Gebrechen und Verkehrtheiten seiner Zeit, besonders die sittliche Versunkenheit und den Aberglauben des Volks, sowie die Hoffart und Gaukelei der damaligen Philosophen zu enthüllen und mit herbem Spotte zu geißeln, wobei selbst hervorstechende Charaktere nicht verschont bleiben und namentlich auch das von L. freilich sehr äußerlich aufgefaßte Christentum bittere Angriffe erfährt. Als Gesamtausgaben seiner Schriften sind zu nennen die von Reitz (3 Bde., Amsterd. 1743 46; neuer Abdruck, 10 Bde.) Zweibr. 1789—93; dazu „Lexicon Lucianeumo, Utr. 1740), von Lehmann (9 Bde., Lpz. 1822—31), Jacobitz (4 Bde., Lpz. 1836—41; Textausgabe, 3 Bde., Lpz. 1852—54), W. Dindorf (Par. 1840 u. Lpz. 1858), Bekker (2 Bde., 1853) und Fr. Fritzsche (Rost. 1860 fg.). Von Ausgaben «Ausgewählter Schrifteno sind die von Sommerbrodt (3 Bde., Lpz. 1862 fg.; 2. Aufl. 1869 fg.) und von Jacobitz (3 Bde., Lpz. 1862—65; 2 Bde., 1880 fg.) hervorzuheben, von deutschen übersetzungen die von Wieland (6 Bde., Lpz. 1788 —89) und von Pauly (15 Bde., Stuttg. 1827—32; Auswahl, von Teuffel, Stuttg. 1854). Vgl. Jacob, „Charakteristik L.» (Hamb. 1832); K. Fr. Hermann, „Charakteristik L. und seiner Schriftenv, in dessen «Gesammelte Abhandlungend (Gött. 1849); Hartmann, «Studia critica in Lucianump (Leid. 1877); Bernays, «L. und die Cynikery (Berl. 1879).