FeedLuknow (Laknau)
ErdkundeBrockhaus 1882

Luknow (Laknau), eine der größten Städte Hindostans, Hauptort der Division Luknow des Chefkommissariats Oude (s. d.), liegt auf dem rechten Ufer des schiffbaren Gangeszuflusses Gumti, über welchen eine Stein-, eine Schiff- und eine Eisenbrücke führen, zählt (1881) 261303 E. und gewährt mit ihren vielen Moscheen, Minarets, Mausoleen, Pagoden, Palästen, Gärten u. s. w. einen imposanten Anblick, dem jedoch das Innere nicht entspricht. Die Altstadt im Süden, von den untersten Klassen dicht bewohnt, enthält meist nur Lehmhäuser und Hütten, sowie krumme, enge, schmuhige Gassen. Die Neustadt, längs des Gumti, umfaßt dagegen viele Prachtgebäude und Parkanlagen, so- wie, hauptsächlich aus der Zeit von Asof-ed-Daulah (1775—97), eine ununterbrochene Reihe weitläufiger, im pers.⸗ind. Spitzbogenstil aufgeführter, ehemals königl. Paläste. Die meisten dieser Paläste und Gärten sind jedoch, namentlich seit Entthronung der Dynastie, im Verfall. Besonders bemerkenswert sind: die Imämbärah, eine Moschee mit dem Mausoleum Asof-ed-Daulahs, 1780—84 aus weißem Marmor erbaut, eins der schönsten Denkmäler moslem. Architektur in Indien; der Mottie-Mahal (Perlenpalast), berühmt durch seine Sammlungen orient. Handschriften; die imposante Moschee Schah-Nadschif, der umfangreiche Kaiserbagh (Kaisergarten), der Sekandrabagh (Alexandergarten). Auch die Umgebungen der Stadt bekunden die Prachtliebe der frühern Fürsten und Großen pvon Oude. So befinden sich im Süden die Tscharbagh (Vier Gärten) und weiterhin der Alambagh (Weltgarten) mit einer geschmackvollen Moschee. Am linken Ufer des Gumti liegen die frühere Menagerie mit dem Schauplatze fur Tiergefechte, der große Padischahbagh oder Königsgarten; dann 7—8 km im Südosten der Stadt, diesseit des Lustschlosses und Jagdparks Dilkuscha, der Palast Constantia, ein umfangreicher, mit einem Aufwande von 150000 Pfd. St. aufgeführter, die verschiedensten Baustile in sich vereinigender Bau, der das Grab des Gründers, Claude Martin, enthält, eines Franzosen aus Lyon, der sich vom gemeinen Soldaten zum Generalmajor und Residenten der Ostindischen Kompagnie emporgeschwungen hatte und einen Teil seiner Reichtümer zu milden Stiftungen verwendete, namentlich für die Erziehungsanstalt La Martiniere. Schon zu Akbars d. Gr. Zeit war L. eine große Stadt, aber erst, nachdem es 1775 statt Faisabad Residenz geworden, erhielt es seine Prachtbauten. Bereits gegen Ende des 18. Jahrh. galt es nächst Delhi als die reichste Stadt des moslem. Indien, und als nach dem Falle der Moguldynastie der Glanz Delhis erlosch, konnte keine andere Stadt mit L. rivalisieren. Der Seapoy-Aufstand von 1857 und 1858 versetzte indes dem Glanze und dem Wohlstande der Stadt einen harten Schlag. Die Meuterei begann hier 10. und 11. Juni 1857. General Lawrence (s. d.), bei einer Rekognoszierung 30. Juni zurückgeworfen, verwandelte die Residentschaftsgebäude in eine Art Festung, in welche sich die Engländer in geringer Zahl mit Frauen und Kindern verschlossen. Nachdem Lawrence 2. Juli, sein Nachfolger Banks 21. Juli gefallen war, setzten die Belagerten unter Brigadier Sir John Inglis mit heldenmütiger Ausdauer die Verteidigung fort und schlugen drei Sturmangriffe (20. Juli, 10. Aug. und 5. Sept.) zurück. Nach dem Falle von Delhi wurde L. sogar Centralpunkt der ind. Insurrektion. Die Generale Outram und Havelock zogen nun mit einigen tausend Mann heran, und letzterer erzwang sich, nach dem Siege bei Alumbagh, unter mörderischen Kämpfen 26.Sept. den Weg nach dem Residentschaftsgebäude, von wo aus man die brit. Positionen erweiterte und den Verteidigungskampfmit Eifer fortsetzte.Am 17.Nov. vereinigte sich sodann der Obergeneral Sir Colin Campbell mit Havelock. Dennoch konnten sich die Briten nicht gegen die auf 50000 Mann angewachsenen Insurgenten halten und zogen sich in der Nacht vom 22. Nov. nach Cawnpore zurück. Aber schon 19. März 1858 fiel die Stadt nach sechstägigem Kampfe in die Hände der Briten unter Campbell und Outram. Vgl. Rees, «Die Belagerung von L.v (Lpz. 1858).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 249Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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