FeedGaur oder Lucknouti
ErdkundeBrockhaus 1882

Gaur oder Lucknouti, eine merkwürdige Ruinenstadt in der Lieutenant-Gouverneurschaft der Untern Provinzen des Indobritischen Reichs unter 24 55 nördl. Br. und 88 8“ östl. L. (von Greenwich), auf dem linken Ufer des Bhagirathi, eines schmalen Nebenflusses des Ganges, in der Länge von etwa 24 und der Breite von 3—5 km, auf einer Anzahl wenig beträchtlicher Hügel ausebreitet. Die noch vorhandenen, immer mehr verfallenden überbleibsel dieser Stadt zeichnen sich sowohl durch Schönheit und Großartigkeit der Architektur aus, als durch die Vorzüglichkeit des hierfür verwendeten Materials und durch die Sorgfalt, welche auf den äußern Schmuck und die Zierlichkeit dieser Gebäude verwendet wurde. Unter ihnen sind besonders bemerkenswert die Ruinen einer Moschee, an der die Außenmauern sehr sorgfältig mit schwarzem Marmor eingefaßt sind, sowie in der Stadtmauer zwei hohe, weite und luftige Festungsthore. G. ist eine Stadt von hohem Altertum, scheint aber, wie Wilford meint, bis zum J. 648 von keiner besondern Bedeutung gewesen zu sein. Erst nachdem Magadha zu Fall gekommen, wurde G. unabhängig und seine Häuptlinge gelangten zu Ansehen und Macht bis zur Zeit von Lakshmana, von dem G. wahrscheinlich den Namen Lackhouti empfing, unter dem es häufig in der Geschichte vorkommt. Im J. 1202 wurde G. von Bakthiar Khildschi, einem Offizier von Kutbaddin Eibak, dem Vizekönig von „ für Schahabaddin, dem Fürsten von Ghor in Afghanistan, eingenommen und Lakshmana aus G. vertrieben. Im J. 1212 wurde dasselbe von Ghiyasaddin zur Hauptstadt von Bengalen erhoben, der auch die erwähnte prächtige Moschee erbauen ließ. Anderthalb Jahrhunderte später wurde der Sitz der Regierung von G. nach Pandua oder Peruya, aber 1409 von Saladdin nach G. zurückverlegt. Im J. 1536 bemächtigte sich Sher Shah, der patanische Gegner von Humayoun, Bengalens, nahm auch G. ein und vertrieb den König Mahmud von dort, wurde aber in dem folgenden Jahre selbst von Humayoun vertrieben. Dieser residierte einige Monate in G. und veränderte den Namen davon, als unglückverheißend, in Sennatabad. Nicht lange nachher vertauschte er aber diese Residenz mit einem westlicher gelegenen Orte, worauf Sher Shah sich wieder G.s bemächtigte. Nach seinem Tode nahmen die Gouverneure von Bengalen den Titel eines unabhängigen Herrschers über G. an, bis 1574, wo Monaim Chan, Befehlshaber über die Truppen von Akbar, G. eroberte und zum Sitz der lokalen Regierung machte, aber selbst mit der Mehrzahl seiner Truppen an der Unesundheit des Ortes zu Grunde ging. Von dieser Zeit datiert der Verfall des letztern. Als die Engländer um die Mitte des 18. Jahrh. Herren über den betreffenden Landstrich wurden, wurde zuerst Maldah und später English Bazar Sitz der Provin⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 597Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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