Lysippus (grch. Lysippos), der größte Meister der peloponnes. Plastik in derjenigen Periode der griech. Kunst, in welcher Skopas und Praxiteles es in der attischen waren, aus Sikyon im Peloponnes gebürtig, lebte um 330 v. Chr. Er wußte die Beobachtung der Natur und das Studium der frühern Meister, namentlich des Polykletos, glücklich zu verbinden, indem er der körperlichen Wohlgestalt, der er schlankere Formen gab, und dem Ausdruck echt heroischer Kraft eine vorzügliche Aufmerksamkeit schenkte, womit er die lebensvolle Wiedergabe der einzelnen Perfönlichkeit in ihrer Eigentümlichkeit verband. Zum Gegenstand der plastischen Darstellung wählte er namentlich die Heldengestalt des Herakles, ferner Athleten und bedeutende Persönlichkeiten der Gegenwart wie der Vergangenheit. Den höchsten Ruhm erlangten seine Darstellungen Alexanders d. Gr. Er stellte ihn sowohl in Einzelfiguren, als in Gruppen dar, namentlich in einer solchen mit seinen Gefährten am Granikos und in einer andern auf der Löwenjagd, wie denn L. überhaupt auch ein ausgezeichneter Tierbildner war. L. war ursprünglich Erzarbeiter, schwang sich durch sein Genie zum großen Künstler empor, blieb aber wenigstens im Material seinen Anfängen getreu. Erhalten geblieben ist kein Werk von seiner Hand, nur Nachbildungen von einigen derselben, wie von Darstellungen des Herakles (s. Farnesischer Hercules und Tafel: Bildnerei III, Fig. 6), des Alexander (s. Tafel: Bildnerei III, Fig. 3), der Idealstatue eines Athleten, der im Begriff ist, sich Ol und Staub der Palästra abzuschaben (f. Tafel: Bildnerei III, Fig. 7). Andere werden wenigstens als Nachbildungen von Werken aus der Schule des Meisters angesehen, wie ein sitzender Ares in Villa Ludovisi. Ein Originalwerk aus derselben Schule ist die Bronzestatue des sog. betenden Knaben (s. Tafel: Bildnerei Il, Fig. 14, die Arme sind neuerdings als modern erwiesen worden) in Berlin.