Magdeburg, Hauptstadt der preuß. Provin; Sachsen und des Regierungsbezirks M., eine der wichtigsten Festungen des preuß. Staats, liegt überwiegend am linken Ufer der hier in drei Arme geteilten Elbe, während die Citadelle, die Quartiere Stadtmarsch, Roter Horn, Großer und Kleiner Werder und Friedrichstadt rechts von der Stromelbe sich befinden. Zur Stadt-M. im engern Sinne, von ältern Zeiten her Altstadt M. genannt, gehört seit 1867 noch die Sudenburg im SW., während die ebenfalls naheliegenden Städte Neustadt (s. d.) im N. und Buckau (s. d.) im S. eigene Gemeinden bilden. Die genannten drei Städte M., Neustadt und Buckau bilden zusammen den Stadtkreis M. mit 55,3 akm und (1880) 137 135 E., davon 7368 Katholiken und 1428 Juden. Von der Altstadt aus führt eine eiserne Gitterbrücke (Strombrücke) über den westlichsten, breitesten der Elbarme (Stromelbe) nach der Insel, auf welcher, abgesehen vom Stadtmarsch und Roten Horn, die 1683—1702 erbaute Citadelle liegt, die als Fortifikation voraussichtlich bald aufgegeben werden wird. Jenseit der beiden andern, durch zwei 1882 vollendete prächstige Steinbrücken überspannten Elbarme, der Zollelbe und der Alten Elbe, auf dem rechten Ufer der letztern, liegt die Friedrichstadt (früher Turmschanze genannt), die jetzt unmittelbar zu M. gehört. Nachdem seit 1866 M. durch einen Gürtel weit vorgeschobener Außenforts gesichert worden war, wurden die alten innern Festungswälle auf der Süd⸗ und Westseite der Stadt nebst dem ehemaligen Sudenburger⸗, Ulrichs⸗ und Schrotdorfer-Thor abgetragen, der Festungsgürtel nach diesen Richtungen weiter hinausgelegt und verstärkt, wodurch die Stadt viel Raum für ihre Erweiterung gewann, und in der neuen Enceinte drei neue Thore (das Buckauer-, Sudenburger⸗ und Ulrichsthor) angelegt; nur das Krökenthor und die Hohe Pforte mit der Nordseite der alten Walllinie blieben erhalten. Durch die geplante Niederlegung der Nordfront der alten Festungswerke wird M. auch auf seiner Nordseite bedeutend an Ausdehnung gewinnen. Die im ganzen gut gebaute Altstadt hat zwar meist enge und krumme Straßen, wovon nur der die ganze Stadt der Länge nach von S. nach N., vom Sudenburger⸗ nach dem Krökenthor durchschneidende Breiteweg, die Hauptverkehrsader der Stadt (mit Pferdebahn zwischen Neustadt einerseits und Buckau und Sudenburg anderseits) eine Ausnahme macht, dagegen zeichnet sich der stattliche neue, seit 1873 erstandene Stadtteil im W. und S. der Altstadt durch breite und geradlinige Straßen aus, unter denen besonders die 1,5 km lange und über 40 m breite Kaiserstraße hervorzuheben ist. Größere öffentliche Plätze sind der Domplatz oder Neue Markt und der Alte Markt, auf welchem letztern vor dem Rathause das um 1290 vom Rate der Stadt errichtete, 1858 erneuerte 2,5m hohe Reiterstandbild Kaiser Ottos d. Gr. auf 5,3 m hohem Piedestal steht. Auf dem anstoßenden Platze an der Hauptwache erhebt sich seit 1856 das Denkmal des 1851 verstorbenen Oberbürgermeisters Francke, ein Erzguß nach Bläsers Entwurf. Zu den öffentlichen Spaziergängen und Gärten gehören der Fürstenwall, welcher 450 mlinks längs der Elbe sich hinzieht und neuerdings durch die auf dem Terrain der abgetragenen Bastion Kleve angelegte Promenade erweitert worden ist, auf welcher sich das 2. Sept. 1877 eingeweihte, 25 m hohe Kriegerdenkmal für 1870/71 nach dem Entwurf des Baumeisters Eggert erhebt; die Glacis rings um die Stadt; der Werder am linken Ufer der Alten Elbe, mit dem Victoriatheater, dem Odeon, Schützenhaus und vielen schönen Gärten; der Friedri Garten, angelegt auf der Stelle debrochenen Klosters Berge (s. d., mit einem 1825 nach Schinkels Entwurf ßen Gesellschaftshaus; der Park au Horn; der Stadtpark Vogelsang im stadt und der großartige Park Herrer rechten Seite der Stromelbe. Unter den 10 prot. Kirchen der net sich ganz besonders der 1208 — prächtige Dom zu St. Mauritius ur aus. Der Chor der Kathedrale mit sein kranz zeigt mehrfach noch den Rundbo alle übrigen neuern Teile den ausgebi bogenstil aufweisen. Der Dom, um ration (1825—-35) detedre Wilhelm! Verdienst erwarb, hat zwei schöne, 10 1520 vollendete Türme, von denen der Anfang des 17. Jahrh. ohne Spitze n reiches Westportal, ein 119 m lang 32 m hohes, von 12 Pfeilern getrage einen Hochaltar aus Marmor, 22 (eh nere Altäre, eine Kanzel aus Alabast. das berühmte 1497 von Peter Vische gegossene Grabdenkmal des Erzbisch Sachsen, das Grab Kaiser Ottos d. seiner ersten Gemahlin Editha. Die l schönem Schnitzwerk stammen aus de die gemalten Fenster sind Geschenke der rich Wilhelm III. und IV. In der alt. befindet sich das in Erz getriebene E ich-Wilhelms⸗ berts, ersten Erzbischofs von M. Der halb roman., 1812 abge⸗ halb got. Kreuzgang des Doms stammt aus dem 13. denkstein), mit und 14. Jahrh. Merkwürdig ist auch die großenteils erbauten gro-roman. Marien⸗ oder Liebfrauenkirche, nächst der if dem Roten Petrikirche die älteste in M., aus dem 12. und N. der Neu-13. Jahrh. Der anstoßende ebenfalls roman. Kreuznkrug auf der gang und die ehemaligen Klostergebäude wurden Stadt zeich-zu Schulzwecken umgebaut. Unter den übrigen 1363 erbaute prot. Gotteshäusern befinden sich die neue in got. nd Katharina Stile erbaute Ulrichskirche und die drei Kirchen der nem Kapellen-franz.⸗, deutsch-und wallonisch-reform. Gemeinden. gen, während! Außerdem ist eine Synagoge vorhanden. Die lange Topographische Lage von Magdeburg. ildetsten Spitz⸗ als Warenlager benutzte ansehnliche Stiftskirche zu dessen Restau⸗ St. Sebastian ist der kath. Gemeinde überwiesen. III. sich großes Unter den andern öffentlichen Gebäuden sind her-O3m hohe, um vorzuheben in der Altstadt: das 1691 erbaute, 1866 r südliche schon bedeutend erweiterte Rathaus (mit der Stadtbibliowar, ferner ein thek) am Alten Markt, die Dompropstei, jetziges zes Schiff, ein Militärlazarett, das Landgericht, das königl. Paenes Gewölbe, lais, das Regierungsgebäude, letztere drei am Domhedem 48) klei-platze, das Oberpräsidium am Fürstenwall und die ter (von 1597), vormalige Domdechanei, jetzt Sitz des Generalkome'r zu Nürnberg mandos; im neuen Stadtteile: das Domgymnasium hofs Ernst vonmit wertvoller und namentlich an Inkunabeln und „Gr. und das alten Drucken reicher Bibliothek, die Augusta⸗ und Chorstühle mit die Edithaschule, beide höhere Töchterlehranstalten, em 14. Jahrh., das Theater nach Plänen von Lucae, das RealrKönige Fried⸗ gymnasium. Auch besitzt M. an höhern Unterrichtsten Taufkapelle anstalten eine Oberrealschule(Guericke-Schule), eine Frabmal Adal-Kunst⸗ und gewerbliche Zeichenschule und eine Hebammenlehranstalt, schließlich ein Arbeitshaus, ein Städtisches Krankenhaus, ein Siechenhaus, fünf Hospitäler u. s. w. Der Giebel eines an die Reichsbank in der Großen Münzstraße anstoßenden Gebäudes ist aus Skulpturen vom ehemaligen Wohnhaus des Bürgermeisters Guericke zusammengestellt und mit Gedenktafel versehen. Der große 1873 eröffnete Centralbahnhof im W. der Stadt besteht aus zwei Hauptgebäuden, welche durch Perronhallen und Tunnels unter sich verbunden sind. Auf dem städtischen Friedhofe im N. der Stadt, zwischen Krökenthor und Hoher Pforte, sind bestattet der hier 1823 in der Verbannung gestorbene Carnot und Uhlich (gest. 1872), der Stifter der Freien Gemeiden. M. ist Sitz eines Oberpräsidenten, eines Konsistoriums und zweier evang. Generalsuperintendenten, einer Bezirksregierung, eines Landgerichts und eines Amtsgerichts, ferner des Generalkommandos des 4. Armeekorps und der Kommandos der 7. Division, der 13. und 14. Infanterie⸗, der 7. Kavallerie⸗ und der 4. Artilleriebrigade, einer Hauptstelle der Reichsbank, einer Handelskammer und zahlreicher anderer Behörden. Am 1. Dez. 1880 zählte M. 97539 C. (darunter 5173 Katholiken und 1340 Juden) einschließlich der Sudenburg und Friedrichstadt. Industrie und Handel sind die hauptsächlichsten Erwerbsquellen M.s. Wiewohl der Transito- und Speditionshandel gegen früher infolge der Aufhebung des Stapelrechts an Bedeutung verloren, ist doch der Handel mit Zucker (dafür der Hauptplatz des Reichs), Getreide, Cichorien, Wein, Stein-⸗ und Braunkohlen, Eisenartikeln, Baumwolle, Tabak, Kolonialwaren, Holz (aus poln. und russ. Wäldern) wichtig. Der Verkehr wird durch mehrere Jahrmärkte, Pferdemärkte und eine Messe im September, mehrere Banken, die Börse, durch eine Filiale der deutschen Elbschiffahrts-Gesellschaft Kette in Dresden (im J. 1867 wurde in M. die Kettenschleppschiffahrt auf der Elbe, zugleich die erste in Deutschland, ins Leben gerufen), sowie durch sechs Eisenbahnen (jetzt sämtlich preuß. Staatsbahnen): die M.⸗Halle-Leipziger (seit 1840), die M.⸗Braunschweiger (nach Schöningen), die M.⸗ Potsdam-Berliner und die M.⸗Wittenberge-Hamburger (mit mehrern Zweigbahnen), die M.⸗Halberstädter (nach Thale) und die M.⸗Leipziger via Zerbst, wesentlich befördert. Auch gibt es zahlreiche Fabriken in Wolle, Baumwolle, Seide, Handschuhen, Band, Leder, Tabak, Cigarren, Geldschränken, Harmonikas, Sprit, Seife, Kunsttischlerei, Holzbildhauerei, sowie Rübenzucker⸗, Chokolade⸗, Cichorien⸗, chemische und Bleiweißfabriken, Zuckerraffinerien, Essig⸗ und Bierbrauereien, Schiffswerften. In der Eisengießerei und Maschinenfabrikation ist Buckau am bedeutendsten. Ansehnlich ist auch der Garten⸗, Obst-⸗ und Gemüsebau (Magdeburger Sauerkraut und Gurken). Geschichtliches. Schon zur Zeit Karls d. Gr. (805) wird M. als Handelsort genannt. Otto I., der ebenso wie seine Gemahlin Editha große Vorliebe für den Ort hatte, legte hier 937 ein Benediktinerkloster zu Ehren des heil. Mauritius an und verwandelte dasselbe 968 in ein Erzbistum, dem die Bischöfe von Meißen, Merseburg, Naumburg (Zeitz), Brandenburg und Havelberg untergeordnet wurden. Die Bistümer Lebus und Posen kamen Ende des 12. Jahrh. zum Erzstift Gnesen, wogegen Anfang des 13. Jahrh. das Bistum Camin dem Erzstift rand gesteckt worden sei. Von den Kaiserlichen 1632 wieder verlassen, wurde M. nun von den Schweden besetzt, 1636 aber von den Kaiserlichen und Sachsen wieder belagert und mit Kapitulation übergeben, worauf 1638 der durch den Prager Frieden bestimmte neue Administrator, Herzog August von Sachsen, das Erzstift in Besitz nahm. Gegen den Schluß des Kriegs hatte die Stadt noch eine fünfte Belagerung zu bestehen. Durch den Westfälischen Frieden kam 1648 das Erzstift M. als weltliches Herzogtum zur Entschädigung für Vorpommern an das Haus Brandenburg, bei dem es, die Dauer des Königreichs Westfalen 1807—13 abgerechnet, auch blieb. Die Stadt M. suchte für sich mit Hilfe der Schweden die Reichsfreiheit zu gewinnen, wofür namentlich der berühmte Otto von Guericke mehrere Gesandtschaften übernahm, wurde aber vom Großen Kurfürsten 1666 im sog. Bergischen Vertrage gezwungen, sich zu unterwerfen. Nach dem Tode des letzten Administrators August (1680) ging das Erzstift erst wirklich in brandenburgischen Besitz über. Besondere Verdienste erwarb sich um die Verschönerung, Bebauung und Befestigung der Stadt Fürst Leopold von Dessau (der alte Dessauer), 1702 — 47 Kommandant von M., nach dem noch heute der Fürstenwall den Namen hat. Im Siebenjährigen Kriege blieb M. unberührt, diente aber der königl. Familie mehrmals als Zufluchtsort. In dem Kriege Preußens mit Frankreich 1806 gehörte M. unter die Zahl der preuß. Festungen, die dem Feind ohne Widerstand übergeben wurden. Mit einer starken Besatzung versehen, hielt sich die Festung 1813 und 1814 gegen das sie einschließende Tauenziensche Korps, bis sie 23. Mai 1814 infolge des ersten Pariser Friedens an Preußen zurückgegeben wurde. Vgl. Rathmann, «Geschichte der Stadt (4 Bde., Magdeb. 1800—17); Hoffmann, «Chronik der Stadt M.y (3Bde., Magdeb. 1843—47; 2.Aufl., bearbeitet von Hertel und Hülße, 1885fg.); Brandt, „Der Dom zu M.v (Magdeb. 1863); Janicke, Chroniken von M.» (Bd. 1, Lpz. 1869), Magdeburger Geschichtsblätterd (erscheinen seit 1866). Das Erzbistum, seit 1680 Herzogtum Magdeburg gehörte zum Niedersächsischen Kreise, bestand aus einem von Halberstadt, Braunschweig, der Alt- und Mittelmark, Kursachsen und Anhalt umgrenzten Hauptteile und dem von diesem durch das Anhaltische getrennten Saalkreise und umfaßte (ohne den 1780 dazugeschlagenen preuß. Anteil von Mansfeld) etwa 5400 qkm. Jetzt bildet dasselbe einen Hauptbestandteil des preuß. Regierungsbezirks Magdeburg, derauf 11507 qkm (1880)937 305 CE. (davon 895463 Evangelische, 35 158 Katholiken und 3568 Juden) zählt und in die 15 Kreise Aschersleben, Gardelegen, Halberstadt, Jerichow J und II, Kalbe, Stadtkreis M., Neuhaldensleben, Oschersleben, Osterburg, Salzwedel, Stendal, Wanzleben, Wernigerode und Wolmirstedt zerfällt. Vgl. Hermes und Weigelt, «Histor.⸗geogr.⸗statist.topogr. Handbuch des Regierungsbezirks M.v(2Bde., Magdeb. 1842—43).