Malherbe (François de), der Schöpfer der klassischen poetischen Diktion in Frankreich, geb. zu Caen um 1555, studierte in seiner Vaterstadt, in Paris, Basel und Heidelberg die Rechte, begab sich dann im Gefolge des Herzogs Heinrich von Angouleme, Gouverneurs der Provence, nach dem südl. Frankreich und lebte seit 1586 in dürftigen Verhältnissen bald dort, bald in der Normandie. Im J. 1605 ließ ihn Heinrich IV. an den Hof nach Paris rufen, wo er in der Stellung eines Kammerherrn 16. Okt. 1628 starb. In seiner Zeit aufs höchste bewundert und von der ältern Kunstkritik als Begründer der franz. Dichtkunst betrachtet, erscheint er uns in seinen 123 Gedichten (Oden, Sonette, Chansons, Epigramme) als ein Dichter von geringer poetischer Empfindung und Erfindung, der jedoch seinen logisch und grammatisch korrekt gebauten, wohlklingenden Versen auch Schwung der Diktion mitzuteilen wußte. Durch die strenge Kritik, die er an den Werken des Ronsard und Desportes übte, vernichtete er das Ansehen seiner sprachlich entnationalisierten Vorgänger, und gab in seinen Gedichten wieder Beispiele für eine ihren Schmuck aus der franz. Sprache selbst wählenden poetischen Rede. Seine sprachlichen und metrischen Reformen fanden ohne Kampf Eingang und blieben zum Teil bis heute maßgebend. Die beste Ausgabe seiner oft gedruckten Oeuvreso ist die von Lalanne (5 Bde., Par. 1862 —69). Vgl. Gournay, XM. Recherches sur sa vie et critique de ses urreso (Caen 1852); Laur, M. Literarhistor. Skizzer (Heidelb. 1869); Johannesson, Die Bestrebungen M.s auf dem Gebiete der poet. Technik' (Halle 1882).