FeedMalmesbury (James Harris, Graf von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Malmesbury (James Harris, Graf von), engl. Diplomat, Sohn des Sprachforschers James Harris, geb. 9. April 1746 zu Salisbury, machte seine Studien auf den Universitäten Oxford und Leiden, ward 1767 zum Legationssekretär in Madrid und 1771 zum Gesandten in Berlin ernannt. Als solcher lebte er vier Jahre an dem Hofe Friedrichs II. und ging dann als bevollmächtigter Minister nach Petersburg. Im J. 1782 ging er als Vertreter Englands nach dem Haag, 1793 wieder nach Deutschland, wo er die Heirat des Prinzen von Wales mit Karoline von Braunschweig zu Stande brachte. Nachdem er schon 1788 zum Lord M. erhoben worden, erhielt er 1800 den Grafentitel, verlor aber bald nachher das Gehör und entsagte deshalb der Diplomatie. Er starb 21. Nov. 1820. Seine Memoiren (Diary and correspondence of James Harris, first Earl of M. », 2 Bde., Lond. 1846) bieten für die geheime Geschichte der Höfe und polit. Parteien reichen Stoff. Außerdem erschien noch &A series of letters of the first Earl ot M. 1745—1820 (2 Bde., Lond. 1870). James Howard Harris, Graf von M., Enkel des vorigen, geb. 26. März 1807, empfing seine Erziehung in Orford und folgte 1841 seinem Vater als Graf von M. Als eifriger Konservativer und Anhänger der Protektionistenpartei wurde er von Lord Derby bei Bildung seines Kabinetts im Febr. 1852 zum Staatssekretär für das Auswärtige ernannt, bekleidete dieses Amt bis Dez. 1852 und von neuem seit Febr. 1858, machte jedoch mit seinen Bemühungen, den Ausbruch des Kriegs zwischen Österreich und Frankreich zu verhüten, Fiasko, wodurch er nicht wenig zu dem Sturze des Ministeriums Derby im J. 1859 beitrug. Als dasselbe 6. Juli 1866 zum dritten mal ans Ruder kam, wurde M. zu dem Posten des Geheimsiegelbewahrers berufen. Diesen bekleidete er bis zum Sturz des Ministeriums Disraeli im Dez. 1868 und nahm ihn von neuem ein bei der Bildung des zweiten Ministeriums Disraeli im Jan. 1874, entsagte ihm aber zu Ende der Session von 1876. Lebhafte Teilnahme erregten seine Memoirso (2 Bde., 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 387Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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