FeedMarbod oder Maroboduus
GeschichteBrockhaus 1882

Marbod oder Maroboduus, Herzog der Markomannen (s. d.), hatte als Jüngling aus vornehmem Geschlecht im röni. Kriegsdienste röm. Politik und Kriegskunst kennen gelernt. Sein Volk führte er, als er aus Rom zurückgekehrt war und dasselbe (9 v. Chr.) durch Drusus schwer geschlagen fand, 8 v. Chr. aus den unhaltbar gewordenen Sitzen am Neckar und untern Main in das heutige Böhmen und gründete hier ein mächtiges Reich, dem sich viele andere german. Völker anschlossen. Dasselbe reichte schließlich von der österr. Donau bis nach der untern Elbe und Weichsel. Ein Angriff, den die Römer auf M., der sich ein stehendes Heer von 70000 Mann zu Fuß und 4000 Reitern gebildet hatte, im J. 6 n. Chr. unternahmen, wurde durch den gleichzeitig ausbrechenden Aufstand der Pannonier und Illyrier vereitelt und nun durch Tiberius mit ihm ein Friede abgeschlossen. Später gab der Abfall der Longobarden und Semnonen zu Armin (Hermann, s. d.) dem Cherusker 17n. Chr. Anlaß zu einem großen Kriege zwischen diesem und M.; nach einer unentschiedenen Schlacht zog sich M. in sein Reich zurück. Die Römer verweigerten ihm bei dem allgemeinen Abfalle seiner Bundesgenossen ihre Hilfe, und 19 gelang es dem Drusus (s. d.), des Tiberius Sohn, ihm Feinde auch unter den Seinen zu erwecken. Der Gothone Catualda, der einst vor seiner Gewalt hatte .1 müssen, übte nun Rache und nötigte ihn, sich zu den Römern zu flüchten. Tiberius wies ihm Ravenna als Aufenthaltsort an, wo er nach 18 Jahren starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 432Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6